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Monatsarchiv: Dezember 2012

Zwischenmeldung – zwischen Schokolade und Windeln

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Ihr Lieben!

Ich wünsche euch allen schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr, obwohl ich hoffe, dass ich den aktuellen „Projekt Danke“-Artikel noch vor Silvester fertig schreiben kann.

Momentan bin ich bei meiner Familie in Berlin und es ist gewohnt hektisch, laut und aufregend. Mit fünf Geschwistern und überraschendem Familienzuwachs kein Wunder. Die Freundin meines großen Bruders ist letzte Woche mit ihrer kleinen, einjährigen Tochter bei uns eingezogen, weil sie sich von ihrem cholerischen Ex-Freund lösen wollte, mit dem sie sich noch nach der Trennung eine Wohnung geteilt hatte. Jetzt stehen Besuche auf dem Jugendamt an, grimmige Kind-Übergaben zu den Besuchszeiten und einige Drahtseilakte in unserem Alltag.

Ich persönlich hätte gern selbst schon Kinder, weil ich mit Kindergeschrei und -gejauchze aufgewachsen bin und die Nähe von den Kleinen einfach mag. Deshalb finde ich es super, dass die Kleine so aufgeschlossen zwischen uns herumwatschelt, kaum fremdelt und sich auf jeden von uns einlässt. Aber ab und an merkt man doch einen leichten Widerwillen in der Atmosphäre. Unsere Familienmitgliederanzahl zu Hause stieg schlagartig von Acht auf Zehn, Kinderspielzeug bohrt sich bei jedem zweiten Schritt in die Fußsohle, der Geruch von Zimt und Schokolade vermischt sich mit dem Aroma von feuchten Windeln und Sabber. Aber sie ist trotzdem einfach zum Anbeißen.

Gestern trat ich auf einen besonders scharfeckigen Plastikschlumpf und sackte mit einem Schmerzlaut erst einmal halb zusammen. Die Kleine beobachtete mich aufmerksam und fragte: „Aua?“

Ich nickte und stöhnte: „Aua!“

Daraufhin wankte sie mit ihren dicken Beinchen zu mir herüber und bot mir zum Trost das halb zerkaute Brötchen an. Ich war so gerührt, dass ich ihr über ihr feines blondes Haar strich. Sie schloss die Augen und seufzte: „Ei…ei….ei….“

Der Plastikschlumpf in meinem zarten Fußfleisch war vergessen.

Meine Mutter stört sich zwar manches Mal daran, dass unser Fußboden unter Holzklötzen und Rasseln verschwindet, aber sie geht in ihrer „Oma-Rolle“ auf und findet sich gut in ihr zurecht. An meinem Bruder entdecke ich ganz neue Seiten, die mich stolz machen und mir Hoffnung geben, dass er sein Leben in naher Zukunft geregelt bekommt. Wie er mit der Kleinen spielt und sie vorsichtig und immer wachsam durch den Alltag geleitet, ist einfach nur süß.
Gestern war er dazu bereit, mit mir zusammen Bewerbungen zu schreiben, das ist auf jeden Fall ein Schritt nach vorn.

Meine letzten Tage mit 22 liegen vor mir, sehr bald habe ich Geburtstag. Da ich im letzten September einen Brautstrauß gefangen habe, müsste mir das neue Lebensjahr eigentlich einen Antrag einbringen. Der Uni-Abschluss steht nächsten Sommer an und meine ersten Sterbebegleitungen. Ich bin so gespannt auf das, was mir im neuen Jahr bevorsteht, dass ich mich ehrlich darauf freue.

Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen über den neuesten Streich des „Projekts Danke“ zu schreiben und die Reaktionen der Menschen einzufangen, die wir dieses Mal mit Mandeln beschenkt haben. Vielleicht kann ich ein paar Freundinnen hier in Berlin überreden, ebenfalls an den Herd zu treten und Mandeln zu karamellisieren. Dann führen wir das „Projekt Danke“ in der Hauptstadt fort, bis ich in den Westen zurückfahren muss. Vorschläge von eurer Seite sind immer noch erwünscht und willkommen.

In diesem Sinne wünsche ich euch weiterhin viel Zeit für euch und eure Lieben, viel Freude über die Feiertage und schöne Momente, auf die ihr später gern zurückblickt!

Viele Grüße aus Berlin!

Euer Pinchen

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Geschützt: Kurseinheit 3 – Kraft und Stärke

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Momentaufnahme Nr. 3 – Mord oder Gnade?

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Meine Mutter sagte einmal zu mir: „Wenn dein Vater oder ich nicht mehr für uns selbst entscheiden können und nur noch vor uns hin vegetieren, hoffen wir, dass ihr uns erlöst. So ein Leben ist nicht lebenswert.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich vielleicht dreizehn Jahre alt und verstand nur in Ansätzen, von welchen Umständen sie genau sprach. Inzwischen habe ich jedoch selbst einige Bedingungen gesehen, die ich für mich als nicht lebenswert einstufen musste. Gerade auf der Intensivstation lagen viele Menschen, die nur noch durch Maschinen am Leben gehalten wurden, obwohl keine Aussicht auf Besserung bestand. Aber wo liegt die Grenze? Ab wann sollte ein Leben erhalten, ab wann beendet werden?

Da mich die Frage per Mail erreicht hat, wie ich denn zur Sterbehilfe stehe, möchte ich mich an dieser Stelle dazu äußern. Lies den Rest dieses Beitrags

„Projekt Danke“ – Einfach nur Müll

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In unserer Küche riecht es noch immer herrlich nach karamellisierten Mandeln und Zimt. Meine Haare, meine Kleidung, alles riecht nach Weihnachtsmarkt. So langsam fühle ich mich weihnachtlich und winterlich. Es ist in den letzten Tagen so kalt geworden, dass einem die Ohren stechen, wenn man vorschnell und ohne Kopfbedeckung vor die Tür geht. Der Winter und das Weihnachtsfest sind endlich bei mir angekommen. Als Student rauscht die Vorweihnachtszeit oftmals unbemerkt an einem vorbei, weil man die Nase zu häufig und zu lange in staubige Bibliotheksbücher steckt und von der besinnlichen Stimmung nicht unbedingt etwas mitbekommt.

Für das „Projekt Danke“ habe ich also eine große Fuhre gebrannte Mandeln gemacht und sie in kleine Tütchen gefüllt. An das Geschenkband, das gleichzeitig als Verschluss dient, habe ich einen kleinen Zettel gehängt. Je nach Berufsgruppe werde ich einen entsprechenden Satz darauf schreiben, damit die Menschen auch wissen, weshalb sie beschenkt werden.

„Danke, dass du Müllmann bist?“ Sissi zog die Nase kraus und überlegte. „Das klingt irgendwie abwertend. So, als wollte man die Müllmänner aufziehen und ihnen irgendwas unter die Nase reiben.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 2 – bis in meine Träume

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Neulich wachte ich mitten in der Nacht auf und brauchte einen Moment, um mich zurechtzufinden. Neben mir lag mein Freund und atmete ruhig und gleichmäßig vor sich hin, sein Gesicht war entspannt und friedlich. Oft hilft es mir beim Einschlafen, ihn eine Weile zu betrachten und die Sanftheit seiner Züge auf mich wirken zu lassen, doch dieses Mal war es anders. Er war der Bösewicht in meinem Traum gewesen.

Mein Traum-Ich saß in der Küche und las Zeitung. Mein Traum-Freund saß mir gegenüber und trank Tee.

„Jetzt wirst du bald deinen ersten Kunden treffen.“

Ich nickte. Er sprach von dem Sterbenden, der jeden Moment an unsere Tür klopfen sollte. „Ja, ich weiß.“

Langsam und angewidert schüttelte er den Kopf. „Das ist so selbstsüchtig von dir. Er wird bald sterben und du lässt ihn bis hierher laufen. Es ist kalt draußen.“

Verwirrt hob ich den Kopf und sah ihn an. „Meinst du? Hat er kein Taxi genommen?“

„Das wäre ja noch schöner“, zischte er. „Auch noch das Geld aus dem Fenster werfen, damit für seine Familie nichts mehr bleibt! Die werden hungern müssen, weil du nur dich gesehen  und nicht an Andere gedacht hast.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Intensivstation – kleine Verschwörungen

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Die Hausarbeit ist geschrieben, gebunden und abgegeben, ein riesiger Stein ist mir vom Herzen gefallen. Jetzt möchte ich die Zeit nutzen, die ich während der sprachwissenschaftlichen Vorlesung habe, um euch nach langer Zeit endlich einen neuen Artikel zu schreiben. Das Projekt „Danke“ und die Schilderung der zweiten Kurseinheit wird im Laufe der Woche natürlich auch noch nachgeholt!

Euch einen erfolgreichen Wochenstart!

—-

Nur noch zwei Wochen musste ich auf den Intensivstationen des Krankenhauses durchhalten. Zwei Wochen voller Lästereien, überschrittenen Kompetenzen und unnötigem Stress. Ein Lichtblick befand sich jedoch in Zimmer Drei. Meine Lieblingspatientin Frau Krüger.

Ansprechbare Patienten, die noch bei Sinnen sind, sind auf der Intensivstation Mangelware. Besonders auf der neurochirurgischen Station waren die Patienten nach Gehirnoperationen aggressiv und unberechenbar. Manchmal glich der Alltag dort einem schlechten Horrorfilm, in dem unschuldige Menschen nach verpfuschten Schnipplereien an ihrem Gehirn den Verstand und die Impulskontrolle verloren. Besonders wenn ich zu den Patienten vor der Operation einen guten Draht gehabt hatte, fiel es mir danach schwer, mit ihren Wesensveränderungen umzugehen.

Das erste Mal traf ich auf Frau Krüger, als ich einen Schwung neue Bettwäsche in ihr Zimmer brachte. Sie war Privatpatientin und hatte ein Zimmer für sich allein, was allerdings gar nicht in ihrem Sinne war. Wie ich später von ihr erfuhr, bat sie den Chefarzt bei jeder Visite, ihr doch eine „Nachbarin zu schenken“, was bisher jedoch nicht geschehen war. Frau Krüger war sehr gesellig und trotz ihres stolzen Alters von 87 Jahren schnell und agil im Geist.

„Wer sind Sie denn?“, fragte sie und legte ihre Bettlektüre beiseite. Über die Gläser ihrer Halbmondbrille sah sie mich mit blitzenden hellblauen Augen an. Lies den Rest dieses Beitrags

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