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Momentaufnahme Nr. 3 – Mord oder Gnade?

Veröffentlicht am

Meine Mutter sagte einmal zu mir: „Wenn dein Vater oder ich nicht mehr für uns selbst entscheiden können und nur noch vor uns hin vegetieren, hoffen wir, dass ihr uns erlöst. So ein Leben ist nicht lebenswert.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich vielleicht dreizehn Jahre alt und verstand nur in Ansätzen, von welchen Umständen sie genau sprach. Inzwischen habe ich jedoch selbst einige Bedingungen gesehen, die ich für mich als nicht lebenswert einstufen musste. Gerade auf der Intensivstation lagen viele Menschen, die nur noch durch Maschinen am Leben gehalten wurden, obwohl keine Aussicht auf Besserung bestand. Aber wo liegt die Grenze? Ab wann sollte ein Leben erhalten, ab wann beendet werden?

Da mich die Frage per Mail erreicht hat, wie ich denn zur Sterbehilfe stehe, möchte ich mich an dieser Stelle dazu äußern.

Wie bereits erwähnt ist es in der Sterbebegleitung ein klares Ausschlusskriterium, Mitglied in einer Organisation zu sein, die Sterbehilfe unterstützt. Es ist ein ewiger Kampf, die Sterbebegleitung von der Sterbehilfe abzugrenzen, ohne die Würde des Menschen anzutasten. Begleitungen beschränken sich auf den zwischenmenschlichen Kontakt, auf Kommunikation, auf Nähe und auf Zeit. Sterbebegleiter sind für die Menschen in der letzten Phase ihres Lebens da, um ihnen das Sterben und Loslassen zu erleichtern. In gewisser Art und Weise (und wenn man von der Grundbedeutung des Worts „Hilfe“ ausgeht) handelt es sich bei Begleitungen also um eine Form der Sterbehilfe.

Sterbehilfe wird von der Gesellschaft allerdings als aktives Eingreifen in den natürlichen Prozess des Sterbens verstanden. Man spricht nur von diesem Begriff, wenn ein Mensch dem Leben eines anderen Menschen ein Ende setzt. Prinzipiell ist das Mord, also ein vorsätzliches Handeln, was den Tod des Opfers zur Folge hat, das kann man nicht bestreiten. Allerdings setzt Mord niedere Motive voraus, zum Beispiel Habgier oder abnorme Sexualtriebe. In einigen Fällen mag das zutreffen, wenn der Enkel seinen Großvater ermordet, um an sein Geld oder sein Haus zu kommen. Ist Habgier im Spiel, würde ich somit ebenfalls von Mord sprechen, im Falle von Sexualtrieb oder Zerstörungswut natürlich auch.

Was ich allerdings betonen muss: Es gibt meiner Ansicht nach Situationen, in die man sich nicht hineinversetzen kann, wenn man selbst gesund ist. Wenn ich mir vorstelle, dass ein geliebter Mensch ohne Stimme und ohne Kontrolle über seinen Körper in einem Krankenbett liegt, stille Tränen weint und mit den Augen um Erlösung fleht, kann ich nicht sagen, was das Richtige wäre. Aber es wäre ein Verbrechen, den Menschen mit seinem Schmerz allein zu lassen und ihm Hilfe zu verweigern. Sind die Möglichkeiten der Medizin ausgeschöpft und treten Schmerzen auf, die man mit Medikamenten nicht in den Griff bekommt – ist es dann gnädig, den Menschen seinem Leid auszusetzen, um die eigenen Hände in Unschuld waschen zu können? Als gesunder Mensch ist es einfach zu sagen: „Schmerz oder Leid gehören zum Leben nun mal dazu.“ oder „Das muss man eben ertragen, Gott hält für jeden Menschen Prüfungen bereit.“.

Wer so redet, hat vermutlich selbst noch niemals in einer Form leiden müssen, die den Tod als Erlösung erscheinen lässt. Warum sollten Menschen dazu verpflichtet sein, alles bis über das erträgliche Maß hinaus erdulden zu müssen? Eine unheilbare Krebserkrankung ist in meinen Augen keine Verpflichtung, den Leidensweg bis zum natürlichen Ende hin zu gehen. Müssen Menschen Krankheiten still ertragen, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden?

Sterbebegleitung ist etwas sehr Persönliches und Individuelles. Kein Mensch lebt gleich, deshalb ist auch jeder Tod ein einzigartiges und spezifisches Erlebnis. Und ebenso vielschichtig sind die Situationen, in denen Sterbehilfe eine ernstzunehmende Alternative bzw. Ergänzung sein kann.

Ich möchte mir nicht anmaßen, Menschen zu verurteilen, die ihrem Leben mit der Hilfe eines Arztes ein Ende setzen. Ich bin selbst nicht in ihrer Lage und kenne ihre Geschichte nicht. Ein Mensch, der sein Leben lang unabhängig und autark war und sich darüber definiert hat, kann sich mit einem Leben als Pflegefall vielleicht niemals abfinden.

Das Grundrecht eines jeden Menschen ist die Entscheidungsgewalt über sein Leben. Wir können frei wählen, mit welchem Ehepartner wir unser Leben verbringen, welcher Arbeit wir nachgehen, was wir essen, anziehen, einkaufen, schön finden, ablehnen, sagen, denken, träumen. Warum sollten wir nicht selbst entscheiden, wann wir leben oder sterben? Niemandem sollte ein Leben voller Leid aufgezwungen werden, nur weil die Rechtslage heikel ist.

Natürlich besteht die Gefahr des Missbrauchs, dass Erben sich am Tod bereichern möchten oder lästige Pflegefälle getötet werden, um sich selbst zu entlasten.

Aber es trifft mich, wenn Menschen, die mit ihrem Leben abgeschlossen haben und nur noch aus Tumoren und Schmerz bestehen, zum Weiterleben gezwungen werden.

Ich denke also, dass in jedem Fall individuell entschieden werden sollte, ob Sterbehilfe angebracht ist oder nicht.

Ich als angehende Sterbebegleiterin distanziere mich davon, auf eigene Faust Sterbehilfe im gesellschaftlichen Sinne leisten zu wollen. Was ich dem Sterbenden als Außenstehende und Fremde anbieten kann, ist meine Zeit, mein Ohr und mein Gemüt. Ich habe nicht vor, das Leben eines Menschen vorzeitig zu beenden. Für solche Entscheidungen werde ich nicht ausgebildet. Aber ich finde, dass ein Umdenken stattfinden sollte.

Ärzte, die nach langer Rücksprache ihre Patienten, deren Zurechnungsfähigkeit von Psychologen bestätigt wurde, von ihrem Leid erlösen, sollten nicht geächtet oder als Mörder hingestellt werden. Die Aufgabe von Ärzten ist es schließlich, Leid zu mindern und das Wohlergehen des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb finde ich ärztliche Sterbehilfe wichtig und nachvollziehbar.

Ich selbst werde keine Sterbehilfe praktizieren. Aber ich kann vor Ärzten, die Sterbehilfe leisten, nur den Hut ziehen und hoffe für sie, dass in naher Zukunft offene Gespräche über dieses Thema geführt werden können. Meiner Meinung nach sollte Sterbehilfe in professioneller Hand liegen und Ergebnis intensiver Auseinandersetzungen sein.

Zusammengefasst stehe ich ärztlicher Sterbehilfe in Verbindung mit psychologischer Unterstützung positiv gegenüber. Wenn medizinische Möglichkeiten ausgeschöpft sind und ausgeschlossen ist, dass der Patient „aus einer Laune heraus“ um den Tod bittet, ist es ein Akt der Gnade. Ich werde als Sterbebegleiterin allerdings beim zwischenmenschlichen Kontakt bleiben, weil ich mir niemals anmaßen würde, in einer solchen Situation die richtige Entscheidung treffen zu können. Das sollte engsten Vertrauten und Ärzten vorbehalten sein.

Meiner Mutter habe ich ans Herz gelegt, eine Patientenverfügung bei ihrem Hausarzt zu hinterlegen. Damit kann man sich bereits in gesundem Zustand vor Bedingungen schützen, die man für nicht mehr lebenswert befindet. Wobei man sagen muss, dass die Grenzen sich im Krankheitsfall verschieben. Wenn künstliche Ernährung über eine Magensonde im gesunden Zustand niemals eine Option war und man die Vorstellung bereits als unwürdig empfunden hat, kann sie im Verlauf einer Erkrankung mit einem Mal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Man sollte niemals unterschätzen, wie viel ein Mensch für sein Leben aufzugeben bereit ist. Aber den Wunsch nach selbstbestimmtem Sterben sollte man ebenso wenig übersehen.

Was denkt ihr?

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Über Alina

Ich bin Studentin und angehende Sterbebegleiterin. Ich habe schon immer gern besonders älteren Menschen beim Erzählen zugehört und möchte in meinem Blog berührende Lebensgeschichten sammeln, damit wir gemeinsam wieder lernen können, den Menschen um uns herum zuzuhören. Falls Ihr Fragen oder Anliegen habt, kontaktiert mich jederzeit unter pin.chen[at]live.com.

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  1. Ich schließe mich dir ganz klar an, dass es in jedem Einzelfall anders sein kann. Und ich bin sehr froh, dass ich in einer solchen Situation noch nie zwischen Leben und Tod entscheiden musste, ich kann mir das auch gar nicht vorstellen. Ob man wohl, wenn es einem selbst so ginge, in der Lage wäre, über sein eigenes Leben zu urteilen? Wenn ich von Menschen höre, die sich umbringen wollten, dann denke ich doch immer, es hätten einen Ausweg gegeben, irgendetwas hätte man tun können. Aber wenn es keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt, dann ist es m.E. Auch nicht falsch, die Menschen gehen zu lassen. Wobei ich, wenn ich Angehörige wäre, gerade damit ein großes Problem hätte und wahrscheinlich ais Egoismus den Menschen so lange wie möglich bei mir haben wollen würde.

    Antwort
  2. In dem selben Alter, in dem deine Mutter dir gegenüber geäußert hat, niemals vor sich hin vegetieren zu wollen, habe ich dabei zugesehen, wie kurz nacheinander zwei geliebte Menschen vom Krebs zerfressen und zugrunde gerichtet worden sind. Einer davon war zu dem Zeitpunkt erst 40 und wurde am Ende zu Hause von meiner Mutter gepflegt, sodass ich im speziellen die Endphase des Leidens hautnah mit angesehen habe. Seit dem teile ich deine Meinung, dass es in einer aufgeklärten, humanen Gesellschaft möglich sein sollte, in spezifischen Situationen selbstbestimmt und würdig aus dem Leben zu scheiden, statt noch tage-, wochen- oder gar monatelang unter nicht ausschaltbaren Schmerzen leiden zu müssen, ohne eine größere Hoffnung als die zu haben, dass es im Jenseits besser werden wird. Schwierig wird das Ganze aber für mich da, wo es um das Wohlergehen der Helfer geht: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51892 Kann man es Ärzten zumuten, Sterbehilfe zu leisten, wenn die Quote psychischer Probleme bei denjenigen, die bei Eintritt des Todes dabei sind, so hoch ist? Natürlich handelt es sich bei der Studie um Angehörige, nicht um Ärzte, aus dem Blick verlieren sollte man aber auch diesen Faktor nicht. Ich kann es nicht beantworten, weiß nicht, was richtig ist. Mein Gefühl sagt mir aber, dass es unmenschlich ist, Menschen zu Leid zu zwingen, das eh kein anderes Ende als den Tod mehr finden kann. Um es ganz provokativ zu sagen: Jeder Hund wird in diesem Land erlöst, wenn die Tierärzte keine Chance auf eine adäquate Linderung seines Leidens mehr sehen. Warum wird diese Option Menschen, die im Gegensatz zum Tier den Zeitpunkt selbst mitbestimmen können, verwehrt?

    Ganz klar spreche ich mich aber nur in Fällen dafür aus, in denen der Wille des Betroffenen zweifelsfrei festgestellt werden kann. Fälle wie die des Angehörigen, der zu leiden scheint, sich aber gar nicht mehr ausdrücken kann, empfinde ich noch als viel, viel schwieriger als den des schwerst Erkrankten, der keine Chance mehr hat in seiner noch verbleibenden Zeit Linderung zu erfahren und sein Leiden willentlich verkürzen möchte. Wer soll in diesen Fällen entscheiden, ob Lebenserhaltung sinnvoll ist oder nicht? Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass es in dieser Gesellschaft möglich sein soll, in dem Fall über einen anderen Menschen zu richten. Da bin ich ganz bei dir und fasse mir mal an die eigene Nase: Patienteverfügungen sind eine unglaublich wichtige Sache und ich hätte schon längst mal eine machen sollen. Wie schnell sich alles ändern kann, habe ich mir ja heute erst wieder bei Jule Stinkesocke ( http://www.jule-stinkesocke.blogspot.de/ ) vor Augen führen lassen…

    Eine assistierte Umsetzung des Todeswunsches eines psychisch Erkrankten Menschen mit Suizidgedanken ist für mich übrigens absolut indiskutabel, in diesen Fällen bin ich ganz der Meinung, dass es immer einen anderen Ausweg gibt. Mir geht es absolut und ausschließlich nur um den oben genannten Fall des nicht mehr behandelbaren Kranken.

    Antwort
    • Liebe Amy,
      ich habe mich sehr über deine lange und ehrliche Antwort gefreut. Ich habe sie dreimal in Ruhe gelesen und darüber nachgedacht, was du geschrieben hast. Was du da ansprichst, sind wirklich sehr interessante Punkte. An die Auswirkungen der Sterbehilfe auf die Ärzte selbst habe ich in der Form gar nicht gedacht. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass die Belastung nicht höher sein dürfte, als wenn der Patient auf natürliche Weise stirbt und dabei augenscheinlich starke Schmerzen hat. Müsste diese Zuschauerrolle den Arzt nicht in ähnlichem Maß belasten? Ich glaube, dass der Kontakt mit Sterbenden immer belastend ist, weil sie uns vor Augen führen, wie endlich wir sind und wie hilflos wie in einer bestimmten Phase unseres Lebens sein können.
      Trotzdem ist es mit Sicherheit richtig, nach den Belastungen der Ärzte bei einem assistierten Suizid zu fragen. Deinen verlinkten Artikel habe ich gelesen. Auch wenn es (wie du bereits geschrieben hast) dabei um die Angehörigen geht, zeigt er den inneren Konflikt auf, mit dem Hinterbliebene oder auch Ärzte in diesem Berufsfeld zu kämpfen haben, wenn ein Sterbender um den Tod bittet. Dass die Palliativmedizin in Deutschland immer mehr Fuß fasst und immer breitere Anerkennung findet, den assistierten Suizid jedoch kategorisch ausschließt, prägt das gesellschaftliche Verständnis. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn das Fehlen einer offenen Auseinandersetzung innerhalb der Gesellschaft den Arzt zusätzlich belastet. Da man sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt, hat man evtl. das Gefühl „herumzupfuschen“ oder seinem Beruf nicht gerecht zu werden.
      Dein Beispiel des Einschläferns finde ich sehr interessant. Da man einem Hund nicht mit dem Anspruch begegnet, ihn in all seinen Belangen gleichberechtigt ernst zu nehmen, ist es für den Tierarzt vermutlich psychisch relativ unproblematisch, über den Tod des Tieres zu entscheiden. Natürlich möchte ich damit den Tierärzten ihren Beruf nicht herunterreden, aber der ethische Anspruch ist schon ein Anderer.

      Psychische Erkrankungen finde ich in diesem Zusammenhang besonders schwierig. Da ein Mensch, der mir persönlich unglaublich wichtig ist, an Borderline und Depression leidet, bin ich voreingenommen. Allein aus dem egoistischen Wunsch heraus, noch Zeit mit diesem Menschen verbringen zu können, widerstrebt mir die Vorstellung, ärztliche Sterbehilfe könnte auch in diesem Bereich zum Einsatz kommen. Deshalb möchte ich mich ebenfalls auf das Anwendungsfeld der körperlichen Krankheiten beschränken.

      Eigentlich denke ich aber auch, dass oftmals der Gedanke, dass ein selbstbestimmter Tod möglich wäre, viel Kraft und Mut für die Sterbenden nach sich ziehen kann.

      Antwort
      • Ich könnte mir schon vorstellen, dass es aus Sicht des helfenden Berufs einen Unterschied macht, ob man nur die Krankheit nicht mehr heilen und nur noch begrenzt helfen kann oder aktiv in das Lebensende einwirkt und es herbeiführt. Gerade auch aus dem von dir erwähnten Aspekt der gesellschaftlichen Anerkennung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Ärzte,die sich öffentlich mit einer Pro-Sterbehilfe-Einstellung bekannt machen, gerade in diesem Land einen sehr schweren Stand haben Aber das kann man natürlich von Außen nicht beurteilen. Zumal ich auch denke, dass hinter verschlossenen Türen auch heute schon unter der Hand heimlich mal eine Dosis bestimmter Medikamente mehr abgegeben wird, als ein sterbender Patient überleben kann…

        Dass es eine gewisse Erleichterung für Sterbende darstellen würde, aktiv entscheiden zu können, wann es vorbei sein soll, ohne dabei risikobehaftete eigenmächtige Suizidwege einschlagen zu müssen, halte ich auch für gut möglich. Oft reicht ja auch in anderen Lebenssituationen das Wissen darüber, dass es eine Alternative oder Hilfe geben würde, um schwere Dinge durchzustehen.

        Gerade dass bei Tieren nicht der Anspruch da ist, sie in allen ihren Belangen wahrzunehmen und trotzdem ohne große Skrupel eingeschläfert wird, unterstützt eigentlich meine These. Mir geht es nicht so sehr um die Belastung von Tierärzten, sondern um die Perspektive, dass wir einem Wesen, das seine Belange nicht äußern kann und bei dem wir nicht den Anspruch haben, alle diese ungeäußerten Interessen wahrzunehmen die Möglichkeit nutzen, Leiden endgültig zu beenden, während wir es nicht tun, wenn jemand, dessen Belange allumfassend wahrgenommen werden nur noch diesen einen Wunsch äußert. Ethisch ist das natürlich schwierig, wie gesagt, gerade bei Patienten die den Wunsch nicht mehr über jeden Zweifel erhaben benennen können, schließe ich diesen Weg kategorisch für mich aus, auch wenn ein Leiden nicht ausgeschlossen werden kann. Das ist die Stelle, wo die Ethik für mich angesetzt werden sollte: Wo ein Mensch sein Interesse klar und über jeden Zweifel erhaben äußern kann, sollte ihm doch mindestens offen stehen, was jedem Tier gewährt wird. Wo ein Mensch nicht (mehr) in dieser Klarheit äußern kann, was sein Interesse ist, sollte die Wahrung von Würde und Bewahrung von Menschenleben über allen anderen Interessen stehen. Ich denke, so kann ich meine Position gut zusammenfassen…

        Meine Position zur Situation psychisch Kranker entsteht ganz einfach aus meiner eigenen Erfahrung. Selbst wenn ich noch so tief abstürze, möchte ich keinen easy way out zur Verfügung haben, bei dem ich schmerzfrei und risikoarm aus dem Leben scheiden kann. Das wäre zu einfach, zu verlockend in bestimmten Momenten. Die bekannten Suizidmethoden haben etwas abschreckendes, das bei einfachem Zugang zu assistiertem Suizid eher nicht mehr gegeben wäre. Bloß nicht!!

  3. Ich könnte keine Sterbebegleitung machen, so wie du es tust. Denn ich würde schon ausgeschlossen werden, bevor ich nur in die Nähe dieses Kurses kommen würde.

    Früher hab ich mir nie Gedanken dazu gemacht, was wäre wenn!? Seid ich im Rettungsdienst arbeite, ist es für mich aus mit „Gott“ und ich bin geneigt für aktive Sterbehilfe zu sein. Wer soviel Leid gesehen, geschmeckt (gerochen) hat, der wird ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich finde es sehr gut, dass es Menschen wie euch gibt, keine Frage, aber ich hab viele Menschen erlebt, die einfach es satt haben zu leben. Und ich meine jetzt nicht die, die Liebeskummer haben, oder ähnliches. Es muss in diesem Land erlaubt sein, wenn es keine Chance auf Besserung gibt, denjenigen sterben zu lassen. Wer nicht das ganze Leid schon gesehen hat, kann sich nicht in sowas hinein versetzen.

    Antwort
  4. Hier ein interessanter Link zum Thema: http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2012/1119/index.php5
    Es wird genau das Thema der ärztlichen Sterbehilfe mit wirklich interessanten Argumenten diskutiert. Die Form, die der Sterbehilfe praktizierende Arzt vorstellt (mit intensiven Gesprächen, Einbezug von anderen Fachdisziplinen inklusive Psychologen) finde ich wirklich angemessen und nachvollziehbar. Unsympathisch fand ich allerdings den Geistlichen, der auf seinem selbstbezogenen Standpunkt verharrt hat, ohne die Bereitschaft zu zeigen, auch über andere Standpunkte nachzudenken. Erinnerte mich ein wenig an den Seelsorger in meinem Kurs. 😉

    Antwort

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