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Monatsarchiv: Mai 2013

Hausaufgaben – Wenn ich sterbe

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Heute Morgen klingelte mein Wecker bereits um 5:15, weil ich am Freitagmorgen immer joggen gehe. Nun ja, jedenfalls mache ich das seit zwei Monaten und hoffe, dass ich meine Dreimal-pro-Woche-laufen-Regel weiterhin einhalten kann. Wenn es draußen noch dämmrig und die Luft ganz neblig und nass ist, ist es oft schwer, sich aus der warmen Bettdecke zu schälen, aber es ist auf der anderen Seite schön, wenn man Trainingsfortschritte beobachten und ohne Reue naschen kann.

Mein Spiegelbild sah mir missbilligend und verschlafen dabei zu, wie ich meine Schuhe band und meine türkisen Lieblingskopfhörer auf die Ohren drückte. Es hatte offensichtlich genauso wenig Lust auf sportliche Betätigung wie ich. Doch sobald ich draußen an der frischen Luft und die ersten Schritte gelaufen war, fiel die Müdigkeit von mir ab, ebenso die Gedanken zur Tagesplanung, Abschlussarbeit, Arbeiterei.

Morgens ist die Stadt noch still, die Nacht zieht sich zurück und der Himmel hängt tief. Letzte Nacht hatte es geregnet, deshalb glänzten kleine Pfützen zwischen der Pflasterung der Straße. Ich sah meinen Füßen beim Laufen zu, lauschte der Musik und dachte nach.

Die Hospiz-Koordinatorin hatte ihre Meinung noch einmal überdacht, uns von unserer eigenen Beerdigung fern zu halten. In ihrer Mail begründete sie den Umschwung folgendermaßen: Lies den Rest dieses Beitrags

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Gedankenspiel – Manchmal

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Hallo, ihr Lieben!

Ich sitze seit heute Morgen am Laptop und arbeite einen Entwurf meiner Abschlussarbeit aus. Zwischendurch klicke ich (quasi in den kreativen Pausen) immer mal wieder durch alte Ordner und bin auf einen Wust an Erzeugnissen gestoßen, die unter dem Titel „poetische Stolpereien“ abgespeichert sind. Zu einigen fühle ich heute kaum noch Kontakt, die meisten dieser gedichteähnlichen Texte habe ich noch zu Schulzeiten geschrieben. Als ich ein paar Strophen las, hatte ich ein wenig das Gefühl, mit meinem jüngeren Ich in einen Dialog zu treten. Viele der Schriften sind sehr melancholisch und traurig, gern hätte ich mein kleines Ich an der Hand genommen und ihm gesagt, dass das Leben nicht so dunkel ist, wie es auf dem Papier aussieht. Aber irgendwie hat es mich auch gerührt. Besonders dieses Stück Jugend mit dem Titel „Manchmal“, deshalb würde ich es gern mit euch teilen. Viele Grüße also von meinem sechzehnjährigen Ich und mir.

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

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Manchmal fühle ich mich weit weg und irgendwie fremd. Dann frage ich mich, ob es in Ordnung ist, wenn ich zwei Tage am Stück damit zufrieden bin, Musik zu hören, meinen Gedanken nachzuhängen und mir selbst Gesellschaft zu sein. Sollte ich nicht lieber Kontakt suchen, in die Sonne gehen, an den Strand fahren, Alkohol trinken? Ich bin aber gern mit mir allein und habe trotzdem Angst im Dunkeln. So bin ich doch viel menschlicher.

Manchmal sehe ich in den Spiegel und suche mein Gesicht im Glas. Alles was ich sehe, ist ein Mädchen mit beißenden Augen voller Hunger. Dann wende ich den Blick ab und denke mir meine Züge einfach aus. So bin ich doch viel schöner.

Manchmal lausche ich in meinen Kopf hinein und höre lautes Getöse. Es rauscht und lärmt und tobt. Dann schalte ich die Welt aus und schließe die Augen, um mich einfangen zu lassen. So ist es doch viel weicher.

Manchmal verrenke ich Geist und Glieder, um die Menschen ein schönes Bild von mir zeichnen zu lassen. Damit sie mir auf die Schulter klopfen, meinen Scheitel tätscheln und den Abstand verringern. So ist es doch viel wärmer.

Manchmal setze ich einen Fuß in den Regen, um zuzusehen, wie der Stoff meiner Schuhe sich dunkel färbt. Um zu fühlen, wie meine Zehen kalt werden und Gänsehaut meinen Fußrücken überzieht. So ist es doch viel echter.

Manchmal fühle ich mich weit weg und irgendwie fremd. Dann sitze ich zwischen den lauten Gesichtern meiner Freunde und wundere mich über die Dinge, die sie sagen. Ich lache trotzdem. So ist es doch viel leichter.

Manchmal möchte ich schreien über die Dinge, die ich tue. Aber ich lasse es. So ist es doch viel stiller.

Und in der Stille fühle ich mich zu Hause.

Momentaufnahme Nr. 10 – Mann hinter Glas

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Gibt es in eurem Leben Menschen, die euch immer wieder über den Weg laufen? Über deren Gesichter ihr in der Masse stolpert, obwohl ihr nicht einmal ihre Namen wisst? Diese kleinen Inseln in der Anonymität des Alltags finde ich besonders wichtig.

Nicht weit von unserer Wohnung entfernt und in einer ruhigen Seitenstraße gelegen, befindet sich ein Pflegeheim mit großen Glasfenstern. Die spiegelnde Oberfläche zieht sich bis direkt auf den Boden, wodurch vorbeigehende Passanten hinein- und die Bewohner hinaussehen können. Das Heim liegt direkt auf dem Weg zur Universität, daher lief ich dort das erste Mal im Oktober 2010 zum Studienbeginn vorbei.

Es war kalt, nass und dunkel und ich war noch sehr unglücklich mit unserer Wohnsituation. Wir zogen von unserer schönen und gemütlichen Wohnung in Berlin in den tiefsten Westen Deutschlands, geradewegs in eine Baustelle. Gut, rückblickend muss ich sagen, dass ich unsere alte Wohnung vermutlich schöner und gemütlicher in Erinnerung habe, als sie eigentlich war. Schließlich lebten wir in einem Plattenbau und hatten eher angsteinflößende als freundliche Nachbarn, aber die erste Wohnung mit dem Freund ist dennoch etwas Besonderes und wird es in meiner Erinnerung immer bleiben. Unsere neue Wohnung im Westen war jedoch nicht renoviert und in einem schrecklichen Zustand. Dazu kamen Kartons, halb aufgebaute Regale, Haufen von abgefetzter Tapete und Bauschutt. Zu Beginn stand noch nicht einmal die Küche, weshalb wir auf dem Boden aßen und auf einem Herd kochten, der einsam und verloren mitten in dem gähnend leeren Raum stand und das einzige Mobiliar darstellte.

„Konzentriert euch erst einmal auf die Küche“, riet meine Mutter. „Wenn ihr einen Raum fertig habt, habt ihr einen kleinen Zufluchtsort. Dann sitzt du mit einem Tee gemütlich am Tisch, schaust aus dem Fenster und wunderst dich, wie wohl du dich mit einem Mal fühlst.“

Mir fehlte meine Familie und ich fühlte mich nicht gut bei dem Gedanken, sie in dieser schwierigen Situation verlassen zu haben. Meine Mutter kämpfte gegen den Krebs und ich ging ans andere Ende von Deutschland, um ein Fach zu studieren, das einen so langen Namen hatte, dass man sich unwillkürlich fragte, was man eigentlich damit anfangen sollte. War es eine dumme Idee gewesen, fort zu gehen? Hätte ich lieber bleiben und abwarten sollen? Lies den Rest dieses Beitrags

Erzähl mir deine Geschichte – Robert

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Ich traf Robert an seinem Arbeitsplatz, einem kleinen und alteingesessenen Bestattungsinstitut im Westen Deutschlands. Er übernahm den Betrieb seines Vaters, nachdem er seine Lehre als Tischler abgeschlossen hatte. Inzwischen ist Robert Ende Vierzig, hat zwei Kinder und führt eine glückliche Ehe. Er blickt auf über zwei Jahrzehnte Bestattererfahrung zurück.

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Ich bin ein wenig unsicher, was ich sagen soll. Bisher hat mich noch nie jemand um ein Interview gebeten. Also ich heiße Robert, bin 48 Jahre alt und habe mit meiner Frau zwei Kinder. Wir leben hier gut, es ist eine schöne Gegend, um Kinder aufzuziehen. Wir sind unglaublich schnell  im Grünen und haben trotzdem eine gute Anbindung an das Stadtzentrum. Meine Kunden schätzen die Ruhe, die von diesem Viertel ausgeht. Das ist auch sehr wichtig für die Gespräche, die ich mit ihnen führe, da wäre eine Lärmfassade wie in der Großstadt oder an der Hauptverkehrsstraße eher hinderlich. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 8 – Wofür leiden wir?

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Hallo, ihr Lieben.

Ich sitze in der Bibliothek und sollte eigentlich an meiner Bachelor-Arbeit schreiben, aber da ich den nächsten Termin mit meinem Betreuer erst nächste Woche habe, ist der Druck noch nicht groß genug, als dass ich mich wirklich aufs Arbeiten konzentrieren könnte. Deshalb möchte ich die Stille und die Zeit nutzen, um von der achten Kurseinheit zu erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt.

Habt eine schöne Woche mit wenig Regen!

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„Ist dir die Bibel aufgefallen?“, flüsterte Ricki, als ich mich neben sie setzte und seufzend die Beine ausstreckte. Ich hatte sehr schnell laufen müssen, um pünktlich zur Kurseinheit zu kommen. Wie immer hatte ich die Länge des  Wegs unter- und die Länge meiner Beine überschätzt. Auf dem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises thronte dort, wo sonst normalerweise unsere Arbeitsblätter lagen, eine dicke Bibel.

Benno stieß die Luft aus. „Bitte nicht schon wieder Gerd!“

War der Seelsorger wieder verhindert und musste von Gerd vertreten werden? Ich hielt Ausschau nach seinen grimmigen Augenbrauen, doch ich entdeckte sie nirgends. Auch die Bibel kam mir nicht bekannt vor. Die goldenen Lettern waren auf braunes Leder gedruckt. Gerds Bibel hatte viel abgegriffener und außerdem dunkler ausgesehen.

„Ich glaube nicht, dass das Gerds Bibel ist“, raunte ich ihm zu. „Die gehört wahrscheinlich unserem Seelsorger.“

Benno lächelte schwach. „Als hätten diese Kirchenmänner nur eine Bibel, um sie den Menschen unter die Nase zu halten.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Gedankenspiel – Ein Familienmärchen

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Guten Morgen, ihr Lieben.

Ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder mit den Themen Krebs und aktive Sterbehilfe auseinander gesetzt, da ich mich für meine Abschlussarbeit in die Materie einlesen muss. Dabei bin ich über eine Kurzgeschichte gestolpert, die ich vor einiger Zeit zu diesem Thema verfasst habe. Ich finde, dass sie sehr gut in diesen Blog passt und möchte sie deshalb mit euch teilen.

Diese Geschichte ist kein Abbild meiner Familie, sie ist fiktiv und frei erfunden. Die einzige Überschneidung ist, dass ich meiner Mutter tatsächlich die Haare schnitt, als sie an Krebs erkrankte.

Ich schreibe in meiner Freizeit gerne die eine oder andere Kurzgeschichte, traue mich aber selten, sie jemandem zu lesen zu geben. Heute bin ich mal überdurchschnittlich wagemutig und zeige euch eine.

Habt einen schönen Freitag, bald ist Wochenende!

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Meine Mutter ist ganz aufgeregt. Heute werde ich ihr dabei helfen, ihre Haare zu schneiden. Sie trägt ihr dichtes Haar bis zur Taille, seit ich denken kann, mal geflochten, mal offen. Als Kind habe ich ihr kleine Zöpfchen ins Haar gedreht, die sie auch den ganzen Tag über tragen musste, denn sonst war das Geschrei groß. Auch ich bin ein wenig nervös. Die Schere in meiner Hand zittert ein wenig, als ich sie ansetze. Federnd gleitet sie durch das Haar meiner Mutter. Lies den Rest dieses Beitrags

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