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Kurseinheit 8 – Wofür leiden wir?

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Hallo, ihr Lieben.

Ich sitze in der Bibliothek und sollte eigentlich an meiner Bachelor-Arbeit schreiben, aber da ich den nächsten Termin mit meinem Betreuer erst nächste Woche habe, ist der Druck noch nicht groß genug, als dass ich mich wirklich aufs Arbeiten konzentrieren könnte. Deshalb möchte ich die Stille und die Zeit nutzen, um von der achten Kurseinheit zu erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt.

Habt eine schöne Woche mit wenig Regen!

—-

„Ist dir die Bibel aufgefallen?“, flüsterte Ricki, als ich mich neben sie setzte und seufzend die Beine ausstreckte. Ich hatte sehr schnell laufen müssen, um pünktlich zur Kurseinheit zu kommen. Wie immer hatte ich die Länge des  Wegs unter- und die Länge meiner Beine überschätzt. Auf dem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises thronte dort, wo sonst normalerweise unsere Arbeitsblätter lagen, eine dicke Bibel.

Benno stieß die Luft aus. „Bitte nicht schon wieder Gerd!“

War der Seelsorger wieder verhindert und musste von Gerd vertreten werden? Ich hielt Ausschau nach seinen grimmigen Augenbrauen, doch ich entdeckte sie nirgends. Auch die Bibel kam mir nicht bekannt vor. Die goldenen Lettern waren auf braunes Leder gedruckt. Gerds Bibel hatte viel abgegriffener und außerdem dunkler ausgesehen.

„Ich glaube nicht, dass das Gerds Bibel ist“, raunte ich ihm zu. „Die gehört wahrscheinlich unserem Seelsorger.“

Benno lächelte schwach. „Als hätten diese Kirchenmänner nur eine Bibel, um sie den Menschen unter die Nase zu halten.“

Die Tür schwang auf und Marie betrat den Raum. In ihrer Begleitung befand sich unser alteingesessener Seelsorger, Gerds Augenbrauen blieben abwesend. Erleichterung zuckte in Bennos Mundwinkeln, doch sein Blick klebte weiterhin an dem braunen Ledereinband fest.

Ich kenne tatsächlich niemanden, der die Religion so vehement ablehnt wie Benno. Es scheint Teil seines Selbstkonzepts zu sein, die Existenz von Gott und allen spirituellen Erscheinungen zu verneinen. Manchmal fühle ich mich ein wenig an Fausts Mephisto erinnert, wenn ich mich mit ihm unterhalte. Ich bin der Geist, der stets verneint…

Als ich ihm das sagte, lachte er laut und griff über Rickis Schultern, um meinen Kopf zu tätscheln.

„Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht“, vollendete er mein Zitat. „Ich habe den Faust dreimal gelesen. Mein absolutes Lieblingsbuch!“

Ich musste grinsen. Bei vielen Männern wäre mir die Geste des Kopftätschelns vermutlich unangenehm gewesen, doch Benno ist ein Sonderfall, für den andere Regeln gelten. Bevor Marie die Sitzung eröffnete, fischte er noch schnell einige Salzstangen aus einer Plastikdose, die aus seiner Handtasche lugte und steckte sie sich geräuschvoll in den Mund.

„Guten Abend“, sagte Marie und nahm neben dem Seelsorger auf ihrem Stuhl Platz. „Schön, dass Sie gekommen sind. Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Schmerz und seiner Notwendigkeit im Sterbeprozess. Dafür bitten wir Sie, sich einen Moment Gedanken zu machen, warum das Sterben mit Schmerz verbunden ist, welchen Zweck er erfüllt und welche Möglichkeiten es gibt, ihm zu begegnen. Nehmen Sie sich einige Minuten dafür Zeit.“

Ratlose Blicke wurden ausgetauscht. Warum das Sterben mit Schmerz verbunden ist?

Ricki hob die Hand. „Aus biologischer Sicht? Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinauswollen.“

Marie legte den Kopf schief und lächelte. „Aus jeder Sicht, die Ihnen einfällt. Wir wollen zusammentragen, was wir mit dem Thema Schmerz verbinden.“

Nachdenklich verschränkte ich die Arme vor der Brust. Was fiel mir zum Thema Schmerz in Verbindung mit dem Sterbeprozess ein? Die Bibel in unserer Mitte lenkte meine Gedanken automatisch in die religiöse Richtung. Ob der Seelsorger genau das beabsichtigt hatte, als er die Bibel auf dem Tisch ablegte?

Schmerz adelt.

Irgendwo hatte ich diesen Satz gelesen. Er hatte mit Religion zu tun gehabt, aber ich hatte ihn nicht aus der Bibel. Dessen war ich mir relativ sicher, da ich die Male, die ich in einer Bibel gelesen hatte, an einer Hand abzählen konnte. Zum Religionsunterricht in der Grundschule und zu den Treffen der Konfirmationsgruppe, die ich irgendwann jedoch abgebrochen hatte. Ich wollte kein Geld dafür bekommen, dass ich etwas tat, was nicht aus Überzeugung geschah. Und eine Konfirmation wäre in meinem Fall irgendwie unaufrichtig gewesen. In meinem Kopf schwirrten zu viele Zweifel am Christentum, um Bibelverse aufzusagen und Kirchenlieder zu singen.

Trotzdem hatte ich schon öfter darüber nachgedacht, ob ich die paar Wochen nicht auch noch hätte durchhalten sollen. Schließlich würde es schwierig werden, als nicht offizielles Mitglied der Kirche kirchlich zu heiraten. Andererseits würde mir vermutlich auch das Standesamt reichen, da mein Freund noch nicht einmal getauft ist.

Eigentlich erinnert mein Freund mich manchmal auch an Mephisto.

„Was grinst du so?“, flüsterte Ricki.

„Ich schaffe es nicht, vernünftig über die Fragestellung nachzudenken“, flüsterte ich zurück.

„Ich auch nicht.“ Sie schürzte die Lippen und zog die Schultern hoch. „Ich finde nicht, dass man von Notwendigkeit sprechen kann, wenn es um Schmerz geht. Das klingt mir zu sehr nach Eva und dem Geburtsschmerz.“

Wir lächelten beide und verfielen wieder in Schweigen. Ich versuchte mich innerlich von der Gedankenschiene freizumachen, die sich durch die Bibel gebildet hatte und meine Überlegungen auf andere Bereiche auszuweiten. Was wusste ich über Schmerz und über seine Rolle im Sterbeprozess? Auf der Intensivstation hatte ich miterlebt, wie tagtäglich gegen das Leid der Patienten vorgegangen wurde. Die Dosierung der Medikamente war einem ständigen Wechselspiel unterworfen, abhängig von der Wachheit des Patienten, von seiner körperlichen Verfassung, von seiner Erkrankung und seiner übrigen Medikation.

Der Schmerz ist in diesem Zusammenhang eine weitgehend kontrollierbare Nebenerscheinung des Sterbens.

Eigentlich sind wir in unserer Gesellschaft daran gewöhnt, dass sich Schmerz kontrollieren lässt. Bei Kopf-, Bauch-, Regel-, Gelenk-, Muskel- oder Knochenschmerzen nehmen wir Medikamente ein, greifen zu Wickeln, Auflagen, Wärmflaschen, versuchen die Kontrolle zu gewinnen. Schmerz zeigt uns, dass etwas nicht in Ordnung ist und dass wir etwas ändern sollten. Sei es die Belastung unseres Körpers und Geistes, die Art des Joggens, die Menge an Flüssigkeit und die Auswahl der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen oder die nächtliche Menge an Schlaf. Wir wissen, dass wir Schmerzen reduzieren können und dass uns die Mittel dazu normalerweise frei zur Verfügung stehen.

Als ich im Kreißsaal arbeitete, erzählte mir eine Hebamme, dass sogar bei Geburten  immer mehr Frauen einen zeitlich besser kalkulierbaren Kaiserschnitt unter örtlicher Betäubung wählen, um dem Geburtsschmerz zu entgehen. Selbst das Erlebnis der Geburt, das naturgemäß mit großem Schmerz verbunden ist, erweckt den Anschein der Kontrollierbarkeit.

Da ist es verständlich, dass wir mit dem Wunsch, das Leiden möglichst gering zu halten, in den Sterbeprozess eintreten. Viele sterbenskranke Menschen fragen ihren Arzt als Erstes, ob das Sterben ihnen Schmerzen bereiten wird. Häufig ist das Letzte, was die Medizin für einen Sterbenden tun kann, ihn mithilfe von Infusionen von seinem Leiden zu befreien.

Warum sollte man sich etwas ausliefern, was von der modernen Medizin bekämpft werden kann? Lohnt es sich, Leiden auszuhalten?

Vielleicht neigen wir Menschen zu sehr dazu, die Fragen unseres Lebens wirtschaftlich zu beurteilen. Unbewusst stellen wir häufig eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Was kostet es mich, meinen Schmerz zu verringern? Im Rahmen der üblichen medizinischen Behandlung nichts, da wir im Normalfall krankenversichert sind. Was ist der Nutzen? Ich bin schmerzfrei.

Was kostet es mich, die Schmerzen nicht zu verringern? Finanziell gesehen nichts. Was ist der Nutzen? Vielleicht das Gefühl, ertragen zu haben, was einem auferlegt wurde? Oder der Verlust der Angst, Schmerzmedikamente könnten die Denkleistung beeinträchtigen?

Brauchen wir überhaupt einen Grund, um Leiden auszuhalten? Und ist es gerechtfertigt, Schmerz mit Leiden gleichzusetzen?

Ist der Wunsch nach einem leidlosen Tod ein Phänomen der Moderne, in der sich alle Reaktionen des Körpers medizinisch ergründen und zähmen lassen?

Einen Grund für den Schmerz lieferte jahrhundertelang die Religion. Wir konnten mit ihrer Hilfe grausame Schicksale erklären, Zusammenhänge herstellen, Gerechtigkeit in ungerechten Dingen sehen.

Starben Kinder, konnte man sich sagen, dass der Herr diejenigen, die er am meisten liebt, am schnellsten zu sich holt. Litt jemand Todesqualen, konnte man seine Situation als Prüfung sehen, die er bestehen musste, um sich einen Platz im Paradies zu verdienen. Die Religion schloss die Lücken unseres Verständnisses, als die Wissenschaft es noch nicht vermochte. In unserer heutigen Gesellschaft spielt die Religion zwar noch immer eine wichtige Rolle, doch sie stellt nicht mehr die Königsdisziplin des Erklärens dar.

Wird der Schmerz durch den Verlust der Religion und der damit verbundenen Sicherheit, dass unser Leiden einen Zweck hat, überflüssig?

Ich erinnerte mich, dass ich in dem Buch „Interviews mit Sterbenden“ von Elisabeth Kübler-Ross einen ähnlichen Satz gelesen hatte. Nun fiel mir auch wieder ein, woher ich den Ausspruch „Schmerz adelt.“ hatte. „Sakrileg“ von Dan Brown!

Ich schrak auf, als der Seelsorger in die Hänge klatschte und erwartungsvoll in die Runde sah.

„Bitte!“ Seine Stimme war wie immer eine Spur zu laut. „Teilen Sie Ihre Gedanken mit uns. Gehen wir der Reihe nach!“

Adriana, eine eher stille Frau Ende Fünfzig, räusperte sich. „Ich habe mir überlegt, dass Schmerz beim Sterben für den Abschied wichtig ist. Um loszulassen.“

Luise holte tief Luft und presste hervor: „Das ist ein sehr schwieriges Thema für mich, weil ich schon einige Menschen schlimm hab leiden sehen. Ich denke, dass Gott, wenn es denn einen gibt, die Antwort auf die Frage kennen muss. Nicht ich. Ich weiß nicht, warum es so viel Leid auf der Welt gibt und wofür das gut sein soll.“

Zu unserer kollektiven Überraschung schloss sie daraufhin den Mund und lehnte sich zurück. Es war das erste Mal, dass sie sich selbst gebremst hatte.

„Schmerz könnte für mich allerhöchstens notwendig sein, wenn man sich noch einmal sicher sein möchte, dass man lebt. Ansonsten sehe ich keine Notwendigkeit, in der modernen Zeit Schmerzen haben zu müssen. Das ist doch keine Pflicht.“

„Ich sehe Schmerz als Privatsache. Jeder sollte sich aussuchen können, wie viele Schmerzen er erdulden möchte. Da hat niemand reinzureden.“

„Schmerz ist für mich zu einem gewissen Grad notwendig, aber nicht im Sterbeprozess. Natürlich kann man nur sagen, dass es einem gut geht, wenn man auch mal andere Tage erlebt hat, aber beim Sterben ist diese Regel sowieso außer Kraft gesetzt.“

Als Benno an der Reihe war, verzog er abfällig den Mund. „Ich sehe keine Notwendigkeit. Schmerz lässt sich wegtherapieren und heutzutage muss niemand mehr leiden.“

Ricki nickte. „Das sehe ich genauso.“

„Ich denke, dass…“ Für einen Moment zögerte ich, als mein Blick auf das verstimmte Gesicht des Seelsorgers fiel. „…dass die Religion eine Notwenigkeit für das Ertragen von Schmerz geliefert hat, heutzutage aber keine dominante Rolle in unserem Verständnis mehr spielt.“

Er hob die Augenbrauen, sagte jedoch nichts, bis alle ihre Überlegungen mit der Gruppe geteilt hatten. Er stand von seinem Stuhl auf und streckte den Arm aus, um die Bibel vom Tisch zu ziehen.

„Ich bin erstaunt, nein, vielmehr erschrocken, dass Sie alle die medizinische Sichtweise einnehmen, wenn es um den Schmerz beim Sterben geht. Der Schmerz ist für Sie etwas Überflüssiges, etwas, das man bekämpfen muss. Sind Sie noch nie auf die Idee gekommen, dass es für einen Sterbenden wichtig ist, Schmerz zu empfinden?“

Kopfschüttelnd blätterte er in der Bibel. Die Seiten raschelten wie trockenes Laub. Mir war noch nie aufgefallen, wie faltig seine Hände bereits waren. Rastlos fuhren seine Finger über die Zeilen, schließlich klappte er die Bibel wieder zu.

„Schmerz gehört zum Sterben dazu. Man kann ihn nicht komplett vom Tod abtrennen. Damit macht man den Tod zu etwas Künstlichem, Klinischem. Das ist unnatürlich.“

„Sie erwarten also von einem Sterbenden, dass er Schmerzen erträgt?“, fragte Benno. Sein Tonfall war genauso herausfordernd wie sein trotziger Gesichtsausdruck. „Wer gibt Ihnen denn das Recht dazu?“

Die Augen des Seelsorgers wurden schmal. „Nicht ich habe das Recht, den Sterbenden zu befehlen. Das hat ganz allein Gott.“

„Warum genau ist Leiden denn so wichtig?“, hakte Benno nach und machte sich dabei kaum die Mühe, seine Skepsis zu verbergen. „Weil es natürlich ist?“

Der Seelsorger breitete seufzend die Hände aus, als wäre die Antwort selbstverständlich und für jeden annähernd gesunden Menschenverstand fassbar. „Aus dem gleichen Grund, warum wir bei der Geburt eines Kindes leiden müssen.“

Daraufhin legte sogar Marie ihre Stirn in Denkfalten und griff ein. „Ich denke, was Sie uns damit sagen möchten, ist, dass der Schmerz nichts ist, wofür wir uns von Grund auf fürchten müssen und dass er seine Daseinsberechtigung hat, oder?“

Der Seelsorger nickte. „Stimmt.“

„Das wollte er gar nicht damit sagen!“, zischte Benno aufgebracht und umklammerte die Träger seiner Handtasche so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. „Jetzt macht er wieder einen Rückzieher!“

Ricki legte ihm eine Hand auf den Unterarm und zog sanft an seinem Ärmel. „Lass ihn doch.“

Marie übernahm die Leitung des Kurses, um weitere Streitigkeiten auszuschließen. Den Rest der Stunde sprachen wir ohne die Beteiligung des Seelsorgers über unsere mit Schmerz verbundenen Ängste und das Recht auf Selbstbestimmung.

Als wir unsere Sachen zusammenräumten, dachte ich über die Worte des Seelsorgers nach. Zwar konnte ich seiner Argumentation nicht beipflichten, doch hatte er meiner Meinung nach indirekt einen wichtigen Punkt angesprochen. Und zwar, welche Erwartungen an einen Sterbenden in unserer Gesellschaft gestellt wurden.

Ist er verpflichtet, sich seinen Schmerzen zu stellen? Oder gehört es mit zu seiner Selbstbestimmtheit, frei über seinen Zustand entscheiden zu können?

Was ist natürlicher? Selbstbestimmung oder Schmerz? Und ist Natürlichkeit im Kontext des Sterbens überhaupt relevant? Ist es verwerflich, die Mittel der Schmerzbekämpfung zu nutzen, die die Medizin zur Verfügung stellt, statt sein Leiden auszuhalten? Oder ist es vielmehr verwerflich, als gesunder Mensch die gegenteilige Forderung an einen Sterbenden zu stellen?

Wenn ein Mensch den Schmerz braucht, um sich in seinen Ansichten bestärkt zu fühlen, sollte ihm das Recht zugestanden werden, sich bewusst für das Leiden zu entscheiden. Wenn ein Mensch Angst vor dem Schmerz hat und schmerzfrei von dieser Welt gehen möchte, sollte ihm diese Art des Sterbens ebenso zugestanden werden. Ich denke, dass die Entscheidung, in welchem Maße man Schmerzempfindung zulassen möchte, eine sehr intime ist. Und solange wir in der Lage sind, diese Wahl selbst zu treffen, wer sollte das Recht haben, sie uns zu verbieten?

Niemand.

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Über Alina

Ich bin Studentin und angehende Sterbebegleiterin. Ich habe schon immer gern besonders älteren Menschen beim Erzählen zugehört und möchte in meinem Blog berührende Lebensgeschichten sammeln, damit wir gemeinsam wieder lernen können, den Menschen um uns herum zuzuhören. Falls Ihr Fragen oder Anliegen habt, kontaktiert mich jederzeit unter pin.chen[at]live.com.

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  1. Ich denke, dass der seelische Schmerz des Abschieds von geliebten Menschen, um das Wissen dass es nun zu Ende geht, dass man verloren hat obwohl man gekämpft hat, in vielen Fällen schon so viel ist, dass man es einem sterbenden Menschen nicht zumuten sollte, sich über den inneren Konflikt hinaus noch mit mehr körperlichen Problematiken auseinander zu setzen als unbdingt notwendig. Ein Stück weit wird körperliches Leid wird zu jedem Sterbeprozess dazu gehören – die Realisation, dass vieles nicht mehr so geht, wie es mal ging, der Abschied auch von geliebten Hobbies, die Gewöhnhung an Pflege, medizinische Geräte im Vorfeld des finalen Sterbeprozesses auch die vielen Untersuchungen und Behandlungen… ich glaube, dass dadurch wirklich schon genug Leid entsteht, ohne dass Schmerzen ausgehalten werden müssen. Auch ist es ja so, dass Schmerzen Sterbender manchmal eine Stufe erreichen, der man medizinisch nicht mehr adäquat begegnen kann, ohne in den Bereich der aktiven Sterbehilfe zu geraten. Warum ein Mensch vorher aber Schmerzen leiden müssen sollte, die man kontrollieren könnte, verstehe ich wirklich nicht, zumal das Sterben an sich dadurch ja nicht völlig vom Leiden befreit wird, meiner Meinung nach… (und selbst wenn: Um so besser. Wir wollen im Leben nicht leiden. Warum sollten wir es am Ende des Lebens auf ein mal wollen?)

    Antwort
  2. Schmerzen müssen nicht nur körperlich – Schmerzen können auch seelisch sein. Und nicht nur beim Sterbenden, sondern und gerade bei den den Sterbenden begleitenden (und nahestehenden) Personen. Trauer kann sich in einer Form von Schmerz äußern. Psychische Schmerzen können so real sein, dass sie zu physischen Symtomen führen können. Wozu das dient? Diese Frage überlasse ich den Philosophen…
    …Und dass der Geburtsschmerz einen physischen und psychischen Zweck erfüllt, ist in der Zwischenzeit durchaus untersucht. Aber für mich schließt sich in diesem Fall der Kreis nicht, da hier – philosophisch – Äpfel mit Birnen verglichen werden.

    Antwort

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