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Gedankenspiel – Manchmal

Veröffentlicht am

Hallo, ihr Lieben!

Ich sitze seit heute Morgen am Laptop und arbeite einen Entwurf meiner Abschlussarbeit aus. Zwischendurch klicke ich (quasi in den kreativen Pausen) immer mal wieder durch alte Ordner und bin auf einen Wust an Erzeugnissen gestoßen, die unter dem Titel „poetische Stolpereien“ abgespeichert sind. Zu einigen fühle ich heute kaum noch Kontakt, die meisten dieser gedichteähnlichen Texte habe ich noch zu Schulzeiten geschrieben. Als ich ein paar Strophen las, hatte ich ein wenig das Gefühl, mit meinem jüngeren Ich in einen Dialog zu treten. Viele der Schriften sind sehr melancholisch und traurig, gern hätte ich mein kleines Ich an der Hand genommen und ihm gesagt, dass das Leben nicht so dunkel ist, wie es auf dem Papier aussieht. Aber irgendwie hat es mich auch gerührt. Besonders dieses Stück Jugend mit dem Titel „Manchmal“, deshalb würde ich es gern mit euch teilen. Viele Grüße also von meinem sechzehnjährigen Ich und mir.

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

—-

Manchmal fühle ich mich weit weg und irgendwie fremd. Dann frage ich mich, ob es in Ordnung ist, wenn ich zwei Tage am Stück damit zufrieden bin, Musik zu hören, meinen Gedanken nachzuhängen und mir selbst Gesellschaft zu sein. Sollte ich nicht lieber Kontakt suchen, in die Sonne gehen, an den Strand fahren, Alkohol trinken? Ich bin aber gern mit mir allein und habe trotzdem Angst im Dunkeln. So bin ich doch viel menschlicher.

Manchmal sehe ich in den Spiegel und suche mein Gesicht im Glas. Alles was ich sehe, ist ein Mädchen mit beißenden Augen voller Hunger. Dann wende ich den Blick ab und denke mir meine Züge einfach aus. So bin ich doch viel schöner.

Manchmal lausche ich in meinen Kopf hinein und höre lautes Getöse. Es rauscht und lärmt und tobt. Dann schalte ich die Welt aus und schließe die Augen, um mich einfangen zu lassen. So ist es doch viel weicher.

Manchmal verrenke ich Geist und Glieder, um die Menschen ein schönes Bild von mir zeichnen zu lassen. Damit sie mir auf die Schulter klopfen, meinen Scheitel tätscheln und den Abstand verringern. So ist es doch viel wärmer.

Manchmal setze ich einen Fuß in den Regen, um zuzusehen, wie der Stoff meiner Schuhe sich dunkel färbt. Um zu fühlen, wie meine Zehen kalt werden und Gänsehaut meinen Fußrücken überzieht. So ist es doch viel echter.

Manchmal fühle ich mich weit weg und irgendwie fremd. Dann sitze ich zwischen den lauten Gesichtern meiner Freunde und wundere mich über die Dinge, die sie sagen. Ich lache trotzdem. So ist es doch viel leichter.

Manchmal möchte ich schreien über die Dinge, die ich tue. Aber ich lasse es. So ist es doch viel stiller.

Und in der Stille fühle ich mich zu Hause.

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Über Alina

Ich bin Studentin und angehende Sterbebegleiterin. Ich habe schon immer gern besonders älteren Menschen beim Erzählen zugehört und möchte in meinem Blog berührende Lebensgeschichten sammeln, damit wir gemeinsam wieder lernen können, den Menschen um uns herum zuzuhören. Falls Ihr Fragen oder Anliegen habt, kontaktiert mich jederzeit unter pin.chen[at]live.com.

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  1. Oh Mann 🙂 Sowas kenn ich aber echt gut! Ich habe auch noch viele Texte von vor zwei oder drei Jahren. Sie erinnern mich daran wie ich damals gedacht habe und wie sich das heute entwickelt hat. Ich bin ziemlich stolz darauf. Man sollte wirklich froh darüber sein, dass man das alles früher aufgeschrieben hat, da es ein Teil der Vergangenheit ist, die einem heute noch so präsent ist.

    Ich wünsche dir auch eine wundervolle Woche,
    Sarah ♥

    Antwort
  2. Danke das du uns daran teilhaben lässt!Ein sehr interessanter Gedankengang, dem ich auch mit 24 was abgewinnen kann 🙂

    Antwort

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