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Reiseschnappschuss – Der Heißhunger des Bear Grylls

Veröffentlicht am

Ich habe mit meinem Freund schon viele Formate gesehen, über die man eigentlich nur grinsen und den Kopf schütteln kann. „Sailor Moon“, „Schwiegertochter gesucht“, die „Promi-Kocharena“…und unter anderem auch „Man vs. Wild“ mit Bear Grylls, einem Überlebenskünstler, der jedoch mehr für seine TV-Skandale bekannt ist als für seine Fähigkeiten. Was auch immer auf den Wegen kriecht oder krabbelt, sollte es bei drei nicht unter der Erde oder außerhalb der Reichweite von Bears Fingern gehuscht sein, steckt er es sich in den Mund und kaut mit gequält männlichem Gesichtsausdruck darauf herum. Möglichst ohne die Lippen dabei zu schließen, damit man auch sieht, was er da verspeist und sich daheim auf dem Sofa gruseln kann.

In den letzten zwei Monaten, in denen wir jetzt in Südostasien unterwegs sind, habe ich häufig an Bear Grylls gedacht. Nicht unbedingt, weil er sich vor der Kamera auch gern auszieht und oben ohne durch das Unterholz sprintet, sondern eher, weil ich ihn gerne neben mir zu sitzen hätte.

Bear Grylls würde die furchtbar dicken Käfer, die mir in die Haare fliegen und in meine Ärmel kriechen, einfach schnell in den Mund stecken und sie damit erledigen. Und die Springspinnen, die ich im Halbdunkel durch die Hostelzimmer flitzen sehe. Und die böse beißenden Ameisen, die aus mir unbekannten Gründen ständig aus meinem Rucksack wuseln. Und bitte auch die Skorpione, die an Tempelwänden sitzen und vermutlich giftig sind. Und die überdimensionierten Motten, die manchmal in so dichten Schwärmen abends auf den Straßen flattern, dass man ständig kleine harte Körper an den Armen und Beinen spürt, wütendes Summen an den Haaren zieht und die Lichter in Flügelschlägen schwimmen.

Vielleicht ist es gut, dass er nicht hier ist. Wahrscheinlich würde er ganz schön an Gewicht zulegen und niemand würde mehr einschalten, wenn er sich das Hemd auszieht, um halbnackt durch den Dschungel zu springen. Und ich weiß auch nicht genau, wie er sich mit meinem Freund verstehen würde. Ich muss mich also meiner Angst vor Insekten stellen und mit der Fauna Asiens selbst zurechtkommen. Bisher klappt das in dem Sinne gut, dass ich noch nicht vorschnell ergraut bin vor Schreck und auch nicht an Malaria erkrankt bin (dass Bear Grylls auch die Moskitos auffuttern sollte, habe ich zu erwähnen vergessen). Allerdings merke ich keine große Verbesserung. Wie lange muss ich mich von Spinnen und Krabbeltieren erschrecken lassen, bis die erwünschte Abgeklärtheit einsetzt und ich sie mit unbewegtem Gesicht davonschnipsen kann?

In Thailand trafen wir ein Paar aus England, das schon seit viel längerer Zeit durch die Länder Asiens reist als wir. Und Alice wurde noch immer weiß unter ihrer Sonnenbräune, wenn ein dicker Grashüpfer auf ihrem Oberschenkel landete.

Manchmal beobachte ich die Einheimischen im Umgang mit den Tieren, um zu sehen, was sie anders machen. Und auch unter ihnen sind Männer und Frauen jedes Alters, die hektisch mit den Händen wedeln, wenn eine dicke Motte zu nahe vor der Nase schwebt. Es ist also keine Frage der Herkunft und keine Frage des Alters. Hm. Eine Frage des Mutes? Der Selbstkontrolle?

Ich hab mich ebenfalls am Aufessen von Insekten versucht, vielleicht als eine Art kindische Rache dafür, dass sie ständig an mir herumknabbern, aber das hat mir auch nicht sonderlich gut gefallen. Als wir in Thailand die Möglichkeit bekamen, hielten wir es für eine gute Idee, Skorpion am Spieß zu essen und waren ganz berauscht von der exotischen Herausforderung und den anfeuernden Rufen von biertrinkenden Touristen. Im Endeffekt tat es mir irgendwie Leid, dass der Skorpion sterben musste, nur damit ich halbherzig an seinen Beinen nagen konnte und sich mein Magen zusammenzog, weil ein Stück Chitin-Panzer zwischen meinen Zähnen stecken blieb. Das überlasse ich wohl besser weiterhin Bear Grylls. Der macht das wenigstens mit Überzeugung und Leidenschaft.

Wir sind gestern übrigens in Kambodscha angekommen und verbringen erst einmal ein paar Tage in der Hauptstadt Phnom Penh, bis es weiter in den Nordwesten geht, um Angkor Wat anzuschauen. Auf diese riesige Tempelanlage bin ich schon sehr gespannt und habe viel darüber gelesen. Vielleicht erlaubt mir mein Freund auch, eines seiner schönen Fotos zu veröffentlichen, das er von den Tempeln schießen wird, damit ihr ein wenig mit mir zusammen reisen könnt.

Bis dahin werde ich wohl einfach die Zähne zusammenbeißen (ohne Insekt dazwischen) und mich an das Gewusel gewöhnen müssen. Man wächst ja an seinen Herausforderungen. Sollte aber jemand einen Ratschlag haben, freue ich mich darüber sehr!

Ich wünsche euch eine krabbelfreie schöne Woche!

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Über Alina

Ich bin Studentin und angehende Sterbebegleiterin. Ich habe schon immer gern besonders älteren Menschen beim Erzählen zugehört und möchte in meinem Blog berührende Lebensgeschichten sammeln, damit wir gemeinsam wieder lernen können, den Menschen um uns herum zuzuhören. Falls Ihr Fragen oder Anliegen habt, kontaktiert mich jederzeit unter pin.chen[at]live.com.

Eine Antwort »

  1. Augen zu und durch… Und wenn du zurück bist kannst du über die „Zwergeninsekten“ aus Deutschland vielleicht nur noch schmunzeln und sie entspannt wegschnipsen. Weiterhin eine schöne Reise für euch. Berlin ist zurzeit grau, wechselhaft und voller Baustellen.

    Viele Grüße

    Antwort

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