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Erzähl mir deine Geschichte – Sally

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Es gibt ein kleines Jubiläum zu feiern! Dies ist der 50. Artikel, den ich hier veröffentliche. Deshalb habe ich beschlossen, eine neue Artikelserie zu starten. Ich würde gern ein paar Lebensgeschichten einfangen und die Meinungen der Menschen zum Leben und zum Tod niederschreiben, um andere Perspektiven aufzuzeigen und Einblicke in das Gefühlsleben interessanter Menschen zu gewähren.

Wie denken andere Menschen über ihren eigenen Tod? Welche Pläne, welche Wünsche haben sie für ihre Zukunft? Und was beschäftigt sie in ihrem Alltag? Wie stehen sie zur Vergänglichkeit des Lebens und was bereitet ihnen Kummer? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich Interviews führen, die den Befragten viel Raum für ihr Antworten lassen.

Mein erstes Interview habe ich mit Sally geführt. Sie ist Prostituierte und hat ihre bisherige Ausbildung zur Trockenbauerin abgebrochen. Der Artikel, der auf der Basis ihrer Antworten entstand, ist in der Ich-Perspektive geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es ihre eigene Geschichte ist. Viel Spaß beim Lesen und schöne Osterfeiertage!

„Sally ist eigentlich nicht mein richtiger Name. Aber wir alle hier haben uns einen Künstlernamen zugelegt, das ist einfach gesünder. Ich möchte auch nicht, dass meine Kunden meinen wirklichen Namen kennen und mich auf der Straße damit ansprechen. Zum Glück bin ich noch keinem von ihnen außerhalb des Clubs begegnet.

Ja, wir nennen es Club. Wir mögen das Wort „Bordell“ oder „Puff“ nicht sonderlich. Vielleicht ist das woanders nicht so, aber hier nennen wir es Club. Und was wir hier machen, das nennen wir arbeiten. Wahrscheinlich denken viele, dass ich den einfachsten Job der Welt habe, dass ich mich nur hinlegen und die Beine breit machen muss. Aber solche Leute mag ich nicht. Ich arbeite genauso hart für mein Geld wie alle anderen Berufstätigen auch. Und opfere dafür auch noch einen Teil meines Privatlebens. Es ist nicht so einfach, einen Mann kennenzulernen, wenn man in einem Club arbeitet. Schließlich werde ich regelmäßig mit den unterschiedlichsten Männern intim, das ist schon ein harter Brocken für den festen Freund. Momentan bin ich sogar vergeben, aber über die Arbeit reden wir aus Prinzip nicht. Lies den Rest dieses Beitrags

Fragerunde Nr. 3

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Eine kleine Zwischenmeldung von mir, bevor mein Blog mehr als eine ganze Woche brach liegt:

Momentan schreibe ich (dank meines schlechten Zeitmanagements) mit Hochdruck an meiner wissenschaftlichen Hausarbeit und habe kaum Zeit, mich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Gebrannte Mandeln kann ich zwischendurch aber trotzdem für das „Projekt Danke“ machen und verteilen. Nach meinem Abgabetermin am 4.12. werde ich euch ausführlich berichten, wie die Reaktionen der Leute ausgefallen sind und was für Begegnungen ich machen durfte.

Anbei habe ich die Fragen aufgeschrieben, die sich in meinem Postfach angesammelt haben. Habt alle eine schöne Woche mit viel Sonne!

„In deinen Texten schreibst du manchmal, dass du einen Zugang gelegt hast oder wie ich finde sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hast. Für „nur“ eine Praktikantin ziemlich viel wie ich finde…
Ich möchte damit keineswegs deine Kompetenzen anzweifeln aber ist das den rein rechtlich gesehen nicht verboten und ziemlich riskant. Könnte ja auh sein, dass da ein Praktikant daher gelaufen kommt, der nicht besonders fix im Kopf ist und erheblichen Schaden anrichtet. Oder wie ich in meinem Praktikum noch keine Vorerfahrungen hatte. Du hattest ja immerhin noch viel Theorieunterricht davor. Gibt diese Ausbildung einem auch die Befugnis für solche Aufgaben?“

Danke noch einmal für deine liebe Mail und deine Frage. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist in Deutschland (je nach Ausbildungsmodell und Schule) auch in Stufen absolvierbar. Nach der Rettungshelferausbildung, die ungefähr zwei Wochen dauert, macht man eine Zwischenprüfung und ist als Rettungshelfer sozusagen der Assistent des Sanitäters. Der sich anschließende Sanitäterlehrgang dauert ungefähr vier Monate oder länger (je nachdem, ob man einen zusätzlichen Führerschein macht) und ist die häufigste Ausbildung, die die Fahrer des Rettungswagens hinter sich bringen. Legt man noch einmal sechs Monate theoretischen und praktischen Unterricht drauf, kann man das Staatsexamen zum Rettungsassistenten ablegen. Ein RA ist der Assistent des Notarztes, repräsentiert also die höchste nichtärztliche Ausbildung im präklinischen Bereich. Wenn kein Notarzt zur Stelle ist und es nötig wird, Kompetenzen zu überschreiten (was zum Beispiel Medikamentengabe, Intubation etc. umfasst), muss der RA in der Lage sein, diese Maßnahmen auch ohne ärztliche Aufsicht durchzuführen. Deshalb werden angehende RAs im Praktikum auf diese Tätigkeiten vorbereitet und dürfen (im Idealfall unter Aufsicht) Zugänge legen, Medikamente spritzen, Blut abnehmen, intubieren usw. Es kommt aber immer auf die Einstellung der Pflege an, wie viele Aufgaben du übernehmen darfst. Ich hatte das Glück oder das Pech, dass ich auf einer Station war, die mir sehr freie Hand gelassen und wenig Wert auf Betreuung gelegt hat. Ansonsten bewegt man sich häufig in einer rechtlichen Grauzone.

 

Sind in deiner Familie schon viele Menschen gestorben?

Bewusst mitbekommen habe ich nur den Tod meiner Tante. Ich hab sie sehr gern gehabt, sie hatte ein offenes und frohes Wesen. Ich war 14 oder 15, als sie in einem Hospiz an Krebs starb. Kurz vor ihrem Tod habe ich sie noch einmal besucht, das war eine schöne Erfahrung für mich. Schwieriger war der Umgang mit meiner trauernden Mutter, damit war ich etwas überfordert. Sie trauert auf ihre eigene Art und macht vieles mit sich alleine aus, es ist schwer zu akzeptieren, dass man von diesem Prozess ausgeschlossen ist und nichts direkt tun kann, um ihr zu helfen. Kurz vor ihrem Tod hat meine Tante zum Buddhismus gefunden. Manchmal frage ich mich, ob sie vielleicht noch irgendwie in der Nähe ist. Die Vorstellung der Wiedergeburt finde ich schön.

Bist du religiös oder so? Was erzählst du toten Menschen, wenn sie dich fragen, woran du glaubst?

Tote Menschen fragen nicht mehr so viel (hihi), aber sterbende Menschen werde ich auch spirituell begleiten. Ich bin zwar getauft, aber die klassische Agnostikerin. Ich streite theologische Annahmen nicht grundsätzlich ab, weiß aber nicht genau, woran ich glauben soll/kann/darf/will. Die Vorstellung, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht, ist natürlich verlockend. Vermutlich möchte niemand von uns einfach verschwinden, sondern die Gewissheit haben, dass wir der Welt bzw. Nachwelt erhalten bleiben. Mein Freund ist gar nicht religiös und macht oft Scherze über das Christentum und über Gott. Ich muss zugeben, dass ich mich dabei vor lauter Sorge um sein Seelenheil manchmal unwohl fühle und hoffe, dass er dafür nicht in die Hölle kommt.

Wie siehst du aus?

Für solche Fragen empfehle ich dir Chat-Plattformen, die auf solche Arten von Gesprächen spezialisiert sind. Ansonsten habe ich zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund.

Ich hab in Dortmund eine alte Frau gesehen, die kleinen Kindern auf der Straße Kekse geschenkt hat. Warst du das mit deinem Danke-Projekt?

…ich werde im Dezember zwar schon 23, aber als alte Frau hätte ich mich jetzt nicht bezeichnet. Nein, das war ich nicht. Aber lieb, dass du an mich gedacht hast.

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