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Fragerunde Nr. 4

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Erneut haben sich in meinem Postfach einige Fragen angesammelt, die ich an dieser Stelle beantworten möchte. Morgen Abend kommt mein Freund aus dem Skiurlaub zurück, darauf freue ich mich schon! Ansonsten stehen bei mir Anfang Februar einige Klausuren an, deren Lernsteff noch gepaukt werden will. Aber ich werd versuchen, den Blog nicht wochenlang brachliegen zu lassen und kommende Woche über das „Projekt Danke“ zu berichten. Euch wünsche ich einen schönen Start ins Wochenende und dass ihr schöne Pläne und/oder viel Erholung habt!

Ich lese deinen Blog jetzt seit Beginn an. Am Anfang hab ich nie gedacht, dass ich das auch mal für mich in Betracht ziehen könnte, aber da du ja in den Kurseinheiten-Einträgen von den anderen Teilnehmern ganz normal berichtest hast, wäre das vielleicht auch was für mich. Es wirkt nicht so, als müsste man ein besonderer Typ Mensch sein, um das machen zu können. Meinst du, dass ich das machen könnte?

Ich finde es super, dass du dich für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Sterbebegleiterin interessierst. Ich kenne dich natürlich nicht persönlich, aber ich kann dir sagen, dass die Charaktere in meinem Befähigungskurs bunt durcheinander gemischt sind. Mit Sicherheit gibt es sterbende Menschen, zu denen du als Begleiterin gut passen würdest. Wenn du für dich austesten möchtest, ob du in der Lage bist, das Leid, was da teilweise auf dich zukommt, auszuhalten, nimm Kontakt zu einem Hospizdienst in deiner Nähe auf. Mir steht der große „Praxistest“ auch noch bevor, aber ich habe schon das Gefühl, dass wir gut darauf vorbereitet werden. Im besten Fall wirst du von der örtlichen Koordinatorin individuell beraten, was deine Einsatzmöglichkeiten angeht. Die Ausschlusskriterien (die bei uns allerdings nicht allzu streng gehandhabt wurden) liste ich dir sicherheitshalber noch einmal auf:

  • Du hast eine psychische Erkrankung, die deine Stabilität beeinträchtigt und dir das Begleiten unmöglich macht.
  • Du hast vor kurzem einen Angehörigen oder nahestehenden Menschen verloren und bist noch mit deiner Trauer beschäftigt.
  • Du bist Mitglied in einer Vereinigung, die sich für aktive Sterbehilfe ausspricht/einsetzt.

Wenn du diese Punkte nicht oder nur zum Teil erfüllst (wobei es nicht gerade die aktive Sterbehilfe sein sollte, das könnte das Ganze verkomplizieren), geh einfach mal zum Einzelgespräch. Schaden kann es nicht. Und falls es dann doch nichts sein sollte, kannst du es unter Erfahrungen verbuchen und einen anderen Weg einschlagen. Wichtig ist nur, dass du dich dort gut aufgehoben fühlst und aufgefangen wirst, wenn du über etwas stolperst, was dir im Magen liegt. Bei mir im Kurs sitzen nur normale Menschen. Und normale Menschen haben Grenzen. Halt mich auf dem Laufenden, wie du dich entscheidest, das würde mich sehr interessieren.

Wann begleitest du denn deinen ersten Sterbenden? Und berichtest du davon dann auch? Wär cool!

Wenn ich die Hälfte des Kurses absolviert habe, darf ich meine erste Begleitung übernehmen. Das ist so Mai/Juni der Fall. Klar berichte ich davon auch, aber ich werde weiterhin die Namen verändern und keine Informationen herausgeben, die Rückschlüsse auf die Personen zulassen. Meine Erfahrungen als Sterbebegleiterin unterliegen ja der Schweigepflicht.

Du interessierst dich so für den Tod, obwohl du erst Anfang 20 bist. Das finde ich irgendwie komisch und gothicmäßig. Gerade du bist doch noch so weit weg davon. Du könntest einfach mehr über das Danke-Projekt bloggen, das macht gute Laune!

Vielleicht entsteht langsam ein bestimmtes Bild von mir: Eine abgebrannte Studentin mit schwarz gefärbten Haaren, vielen Piercings und Heavy Metal-Aufnähern an ihrer zerfledderten Tasche sitzt vor dem Laptop und hackt Texte über den Tod in die Tasten. Da sie etwas Geisteswissenschaftliches studiert, hat sie so viel Freizeit, dass sie den ganzen Tag in morbiden Fantasien schwelgen und sich die Fingernägel dunkel lackieren kann. Wäre irgendwie schön, ist aber nicht so. Mein Freund hört Metal, ich bin eher Fan von arabischer, klassischer (Harfe!) und ruhiger Musik, obwohl es auch mal ein wenig Rock sein darf. Meine Haare sind nicht gefärbt (obwohl sie mal aus Versehen schwarz waren, aber das ist zum Glück vorbei) und ich habe keine Piercings. Ich beschäftige mich tatsächlich viel mit dem Thema Tod, aber momenten nähere ich mich dem Ganzen eher von der wissenschaftlichen Seite an. Ich lese „Interviews mit Sterbenden“ von Elisabeth Kübler-Ross, ein Nachschlagewerk der Palliativmedizin und einige Studien zur Lebenszufriedenheit, die in Hospizen durchgeführt wurden. Tod und Sterben einfach von sich zu schieben, finde ich problematisch. Nicht nur, weil man sein Leben von Vornherein so gestalten kann, wie man es sich eigentlich wünscht, wenn man im Hinterkopf behält, dass unsere Zeit begrenzt ist. Auch weil eine bestimmte Gruppe unter einer solchen Einstellung leidet: die Sterbenden. Was mich besonders motiviert, ist die Sterbenden vor dem „sozialen Tod“ zu bewahren. Ich finde es schlimm, dass Menschen allein im Krankenhaus/im Hospiz/zu Hause liegen und ihre ehemaligen Freunde kaum noch zu Gesicht bekommen. Weil das Thema bei Einigen Ängste auslöst, mit denen sie sich nicht konfrontieren wollen, meiden sie den Kontakt zu Menschen in der letzten Lebensphase. Das finde ich zwar nachvollziehbar, aber für den Sterbenden einfach unglaublich traurig. Man sollte nicht allein und mit dem Gefühl sterben müssen, kein Recht auf einen würdevollen, gesellschaftlich anerkannten Tod zu haben, sondern still und leise vor sich hinleiden zu müssen, um niemanden zu stören. Deshalb setze ich mich für die Hospizbewegung ein. Das ist meiner Meinung nach keine Frage des Alters. Du hast aber Recht, „Projekt Danke“ macht mir auch gute Laune. Deshalb wird es auch weiterhin Bestandteil meines Blogs bleiben. Wenn dir bestimmte Einträge zu traurig sind, dann überspring sie doch einfach.

Was studierst du eigentlich genau? Was mit Sprachen, Psychologie und Pädagogik, konnte ich bisher rauslesen. Was soll das denn für ein Fach sein?

Haha, manchmal frag ich mich das auch. Nein, im Ernst: Du hast schon ganz gut auf den Punkt gebracht, was ich studiere. Wenn ich den genauen Namen des Studiengangs verrate, kann man meinen Wohnort relativ genau feststellen, das wäre mir irgendwie unangenehm. Aber danke für dein Interesse.

Ich wurde übrigens wiederholt darauf angesprochen, dass ich ein Impressum brauche. Wie seht ihr das bzw. wie handhabt ihr das selbst? Das würde mich mal interessieren. An sich schadet es der Schweigepflicht, wenn ich meinen Namen unter all meine Erfahrungen setze. Habt ihr da Ratschläge oder Tipps?

Viele Grüße und euch ein schönes Wochenende!

Pinchen

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Fragerunde Nr. 3

Veröffentlicht am

Eine kleine Zwischenmeldung von mir, bevor mein Blog mehr als eine ganze Woche brach liegt:

Momentan schreibe ich (dank meines schlechten Zeitmanagements) mit Hochdruck an meiner wissenschaftlichen Hausarbeit und habe kaum Zeit, mich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Gebrannte Mandeln kann ich zwischendurch aber trotzdem für das „Projekt Danke“ machen und verteilen. Nach meinem Abgabetermin am 4.12. werde ich euch ausführlich berichten, wie die Reaktionen der Leute ausgefallen sind und was für Begegnungen ich machen durfte.

Anbei habe ich die Fragen aufgeschrieben, die sich in meinem Postfach angesammelt haben. Habt alle eine schöne Woche mit viel Sonne!

„In deinen Texten schreibst du manchmal, dass du einen Zugang gelegt hast oder wie ich finde sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hast. Für „nur“ eine Praktikantin ziemlich viel wie ich finde…
Ich möchte damit keineswegs deine Kompetenzen anzweifeln aber ist das den rein rechtlich gesehen nicht verboten und ziemlich riskant. Könnte ja auh sein, dass da ein Praktikant daher gelaufen kommt, der nicht besonders fix im Kopf ist und erheblichen Schaden anrichtet. Oder wie ich in meinem Praktikum noch keine Vorerfahrungen hatte. Du hattest ja immerhin noch viel Theorieunterricht davor. Gibt diese Ausbildung einem auch die Befugnis für solche Aufgaben?“

Danke noch einmal für deine liebe Mail und deine Frage. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist in Deutschland (je nach Ausbildungsmodell und Schule) auch in Stufen absolvierbar. Nach der Rettungshelferausbildung, die ungefähr zwei Wochen dauert, macht man eine Zwischenprüfung und ist als Rettungshelfer sozusagen der Assistent des Sanitäters. Der sich anschließende Sanitäterlehrgang dauert ungefähr vier Monate oder länger (je nachdem, ob man einen zusätzlichen Führerschein macht) und ist die häufigste Ausbildung, die die Fahrer des Rettungswagens hinter sich bringen. Legt man noch einmal sechs Monate theoretischen und praktischen Unterricht drauf, kann man das Staatsexamen zum Rettungsassistenten ablegen. Ein RA ist der Assistent des Notarztes, repräsentiert also die höchste nichtärztliche Ausbildung im präklinischen Bereich. Wenn kein Notarzt zur Stelle ist und es nötig wird, Kompetenzen zu überschreiten (was zum Beispiel Medikamentengabe, Intubation etc. umfasst), muss der RA in der Lage sein, diese Maßnahmen auch ohne ärztliche Aufsicht durchzuführen. Deshalb werden angehende RAs im Praktikum auf diese Tätigkeiten vorbereitet und dürfen (im Idealfall unter Aufsicht) Zugänge legen, Medikamente spritzen, Blut abnehmen, intubieren usw. Es kommt aber immer auf die Einstellung der Pflege an, wie viele Aufgaben du übernehmen darfst. Ich hatte das Glück oder das Pech, dass ich auf einer Station war, die mir sehr freie Hand gelassen und wenig Wert auf Betreuung gelegt hat. Ansonsten bewegt man sich häufig in einer rechtlichen Grauzone.

 

Sind in deiner Familie schon viele Menschen gestorben?

Bewusst mitbekommen habe ich nur den Tod meiner Tante. Ich hab sie sehr gern gehabt, sie hatte ein offenes und frohes Wesen. Ich war 14 oder 15, als sie in einem Hospiz an Krebs starb. Kurz vor ihrem Tod habe ich sie noch einmal besucht, das war eine schöne Erfahrung für mich. Schwieriger war der Umgang mit meiner trauernden Mutter, damit war ich etwas überfordert. Sie trauert auf ihre eigene Art und macht vieles mit sich alleine aus, es ist schwer zu akzeptieren, dass man von diesem Prozess ausgeschlossen ist und nichts direkt tun kann, um ihr zu helfen. Kurz vor ihrem Tod hat meine Tante zum Buddhismus gefunden. Manchmal frage ich mich, ob sie vielleicht noch irgendwie in der Nähe ist. Die Vorstellung der Wiedergeburt finde ich schön.

Bist du religiös oder so? Was erzählst du toten Menschen, wenn sie dich fragen, woran du glaubst?

Tote Menschen fragen nicht mehr so viel (hihi), aber sterbende Menschen werde ich auch spirituell begleiten. Ich bin zwar getauft, aber die klassische Agnostikerin. Ich streite theologische Annahmen nicht grundsätzlich ab, weiß aber nicht genau, woran ich glauben soll/kann/darf/will. Die Vorstellung, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht, ist natürlich verlockend. Vermutlich möchte niemand von uns einfach verschwinden, sondern die Gewissheit haben, dass wir der Welt bzw. Nachwelt erhalten bleiben. Mein Freund ist gar nicht religiös und macht oft Scherze über das Christentum und über Gott. Ich muss zugeben, dass ich mich dabei vor lauter Sorge um sein Seelenheil manchmal unwohl fühle und hoffe, dass er dafür nicht in die Hölle kommt.

Wie siehst du aus?

Für solche Fragen empfehle ich dir Chat-Plattformen, die auf solche Arten von Gesprächen spezialisiert sind. Ansonsten habe ich zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund.

Ich hab in Dortmund eine alte Frau gesehen, die kleinen Kindern auf der Straße Kekse geschenkt hat. Warst du das mit deinem Danke-Projekt?

…ich werde im Dezember zwar schon 23, aber als alte Frau hätte ich mich jetzt nicht bezeichnet. Nein, das war ich nicht. Aber lieb, dass du an mich gedacht hast.

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