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Schlagwort-Archive: Krebs

Kurseinheit 10 – Kleine Teile von dir…

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Stell dir vor, du stehst einem Menschen gegenüber, der dich auf eigentümliche Weise tief berührt. Seine strengen Gesichtszüge, der konzentrierte Zug um den Mund. Das Leben, das durch seine Augen dringt und dich daran hindert, den Blick abzuwenden. Die unter dem forschenden Blick in Furchen gelegte Stirn, an deren Seite eine kleine Ader pocht. All das nimmst du gleichzeitig auf, während dein Gegenüber dich prüfend mustert.

Irgendwo hast du ihn schon einmal gesehen, diesen Menschen. Da ist etwas in deiner Brust, ein dumpfes Erkennen, ein schnellerer Herzschlag. Das Gesicht ist dir so vertraut. Hinter deiner Stirn arbeitet es. Bilder blitzen auf und verschwinden, bevor du nach ihnen greifen kannst. Es ist so unruhig in deinem Kopf, dass du für einen Moment die Augen schließt. Als du sie wieder öffnest, ist der Mensch immer noch da und sieht dich an. Was liest du in seinem Blick? Sorge? Oder ist es Mitleid? Plötzlich wandeln sich seine Züge und verzerren sich zu einer wütenden Maske. Dieselbe Wut schießt nun durch deine Adern. Es jagt dir Angst ein. Als du diesen Menschen von dir stoßen willst, rutschen deine Hände über eine glatte Fläche, die zwischen euch steht. Lies den Rest dieses Beitrags

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Momentaufnahme Nr. 10 – Mann hinter Glas

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Gibt es in eurem Leben Menschen, die euch immer wieder über den Weg laufen? Über deren Gesichter ihr in der Masse stolpert, obwohl ihr nicht einmal ihre Namen wisst? Diese kleinen Inseln in der Anonymität des Alltags finde ich besonders wichtig.

Nicht weit von unserer Wohnung entfernt und in einer ruhigen Seitenstraße gelegen, befindet sich ein Pflegeheim mit großen Glasfenstern. Die spiegelnde Oberfläche zieht sich bis direkt auf den Boden, wodurch vorbeigehende Passanten hinein- und die Bewohner hinaussehen können. Das Heim liegt direkt auf dem Weg zur Universität, daher lief ich dort das erste Mal im Oktober 2010 zum Studienbeginn vorbei.

Es war kalt, nass und dunkel und ich war noch sehr unglücklich mit unserer Wohnsituation. Wir zogen von unserer schönen und gemütlichen Wohnung in Berlin in den tiefsten Westen Deutschlands, geradewegs in eine Baustelle. Gut, rückblickend muss ich sagen, dass ich unsere alte Wohnung vermutlich schöner und gemütlicher in Erinnerung habe, als sie eigentlich war. Schließlich lebten wir in einem Plattenbau und hatten eher angsteinflößende als freundliche Nachbarn, aber die erste Wohnung mit dem Freund ist dennoch etwas Besonderes und wird es in meiner Erinnerung immer bleiben. Unsere neue Wohnung im Westen war jedoch nicht renoviert und in einem schrecklichen Zustand. Dazu kamen Kartons, halb aufgebaute Regale, Haufen von abgefetzter Tapete und Bauschutt. Zu Beginn stand noch nicht einmal die Küche, weshalb wir auf dem Boden aßen und auf einem Herd kochten, der einsam und verloren mitten in dem gähnend leeren Raum stand und das einzige Mobiliar darstellte.

„Konzentriert euch erst einmal auf die Küche“, riet meine Mutter. „Wenn ihr einen Raum fertig habt, habt ihr einen kleinen Zufluchtsort. Dann sitzt du mit einem Tee gemütlich am Tisch, schaust aus dem Fenster und wunderst dich, wie wohl du dich mit einem Mal fühlst.“

Mir fehlte meine Familie und ich fühlte mich nicht gut bei dem Gedanken, sie in dieser schwierigen Situation verlassen zu haben. Meine Mutter kämpfte gegen den Krebs und ich ging ans andere Ende von Deutschland, um ein Fach zu studieren, das einen so langen Namen hatte, dass man sich unwillkürlich fragte, was man eigentlich damit anfangen sollte. War es eine dumme Idee gewesen, fort zu gehen? Hätte ich lieber bleiben und abwarten sollen? Lies den Rest dieses Beitrags

Gedankenspiel – Ein Familienmärchen

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Guten Morgen, ihr Lieben.

Ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder mit den Themen Krebs und aktive Sterbehilfe auseinander gesetzt, da ich mich für meine Abschlussarbeit in die Materie einlesen muss. Dabei bin ich über eine Kurzgeschichte gestolpert, die ich vor einiger Zeit zu diesem Thema verfasst habe. Ich finde, dass sie sehr gut in diesen Blog passt und möchte sie deshalb mit euch teilen.

Diese Geschichte ist kein Abbild meiner Familie, sie ist fiktiv und frei erfunden. Die einzige Überschneidung ist, dass ich meiner Mutter tatsächlich die Haare schnitt, als sie an Krebs erkrankte.

Ich schreibe in meiner Freizeit gerne die eine oder andere Kurzgeschichte, traue mich aber selten, sie jemandem zu lesen zu geben. Heute bin ich mal überdurchschnittlich wagemutig und zeige euch eine.

Habt einen schönen Freitag, bald ist Wochenende!

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Meine Mutter ist ganz aufgeregt. Heute werde ich ihr dabei helfen, ihre Haare zu schneiden. Sie trägt ihr dichtes Haar bis zur Taille, seit ich denken kann, mal geflochten, mal offen. Als Kind habe ich ihr kleine Zöpfchen ins Haar gedreht, die sie auch den ganzen Tag über tragen musste, denn sonst war das Geschrei groß. Auch ich bin ein wenig nervös. Die Schere in meiner Hand zittert ein wenig, als ich sie ansetze. Federnd gleitet sie durch das Haar meiner Mutter. Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 9 – Reden und reden lassen

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Hallo, ihr Lieben!

Das nächste Interview habe ich noch nicht transkribiert, das bekommt ihr aber demnächst zu lesen. Ich habe mit einem Bestatter gesprochen, der meiner Meinung nach eine sehr abgeklärte und trotzdem romantische Einstellung zum Tod hat. Das Gespräch hat mir unheimlich viel Inspiration eingebracht und neue Gedankengänge angestoßen.

Ansonsten ist das letzte Bachelor-Semester angebrochen und ich habe begonnen, an meiner Abschlussarbeit zu schreiben. Deshalb habe ich meine Nase ständig in staubigen Büchern. In wenigen Monaten ist das Semester schon wieder vorbei, dann ziehe ich zurück nach Berlin, um dort mein Masterstudium aufzunehmen. Sofern ich einen Platz bekomme, versteht sich. Hoffentlich geht das alles gut!

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Heute möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die durch eine Unterhaltung mit einer sehr erfahrenen Sterbebegleiterin aufgeworfen wurde: Darf man mit Sterbenden über den Tod sprechen?

Oftmals werden Sterbebegleiter eingesetzt, um die Menschen vor dem sozialen Tod zu bewahren, den ich schon einmal angesprochen habe. Liegen die Menschen im Sterben, bleiben häufig die Besuche aus. Dies kann mehrere, sehr individuelle Gründe haben. Manchmal ist es rein praktisch nicht möglich, einen sterbenden Angehörigen regelmäßig zu besuchen. Vielleicht wohnt man ein gutes Stück entfernt, arbeitet Vollzeit, ist im Uni- oder Schulstress. Der eigene kleine Kosmos dreht sich weiter und zieht unseren Blick vom Sterbenden und seinen Bedürfnissen ab. Das ist auch wichtig. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 7 – Spuren

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Bereits die siebte Kurseinheit liegt nun hinter mir. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie rasch der Befähigungskurs voranschreitet. Beinahe die Hälfte des Kurses ist geschafft, in sieben Monaten werde ich das Zertifikat in den Händen halten, welches mir erlaubt, in Zukunft in nahezu jedem Hospizdienst Deutschlands als Sterbebegleiterin zu arbeiten. Und in zwei Monaten werde ich meine ersten Begleitungen übernehmen dürfen.

Wenn nichts dazwischen kommt natürlich.

Man sagt mir häufig, dass ich dazu neige, mich auf die schönen Endresultate zu konzentrieren, statt die Dinge geplant und realistisch anzugehen. Diese schlechte Angewohnheit zeigte sich schon während der Abiturvorbereitung, als ich lieber in Katalogen nach dem passenden Kleid für den Abschlussball suchte, statt für die Prüfungen zu lernen. Oder während meines Umzugs in den Westen Deutschlands, als ich es vorzog, mir mittels Wohnmagazinen die hübsche Einrichtung der neuen Wohnung auszumalen, statt mein Hab und Gut in Kartons zu verpacken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Setzt man sich mit dem Tod und dem eigenen Sterben auseinander, kommt man nicht umhin sich zu fragen, was von seinem Leben übrig bleibt, wenn es erlischt. Was ist es, was wir unseren Familien und Freunden hinterlassen? Was bleibt, wenn wir gehen? Erinnerungen? Fotos? Hörensagen? Oder stirbt das Andenken mit uns? Lies den Rest dieses Beitrags

Praktikum auf der Notaufnahme – ein Gespräch übers Sterben

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Eines Morgens bat Sanne mich, einen Patienten für sie zu betreuen, damit sie der Visite auf der Intensivstation beiwohnen konnte. Sie hatte sich in einen Medizinstudenten verguckt, der dort eingeteilt war und nutzte jede Gelegenheit, ihm zufällig über den Weg zu laufen. Da ich sowieso nichts Anderes zu tun hatte, nahm ich die Akte entgegen und ging in Richtung Behandlungszimmer Fünf.

„Er braucht einen neuen Zugang und der Arzt will ein EKG!“, rief Sanne mir hinterher, während sie sich vor dem kleinen Spiegel im Pausenraum die Haare machte. „Und krieg keinen Schreck, er ist ziemlich gelb!“

Ich nickte, öffnete die Tür und bekam einen Schreck.

Der Patient war tatsächlich sehr gelb. Ich hatte schon Patienten mit einem Ikterus (was die fachliche Bezeichnung für die Gelbfärbung der Haut ist) gesehen, doch niemals war das Symptom so stark ausgeprägt gewesen wie bei diesem Mann. Er hatte kein einziges Haar mehr auf dem Kopf, Augenbrauen und Wimpern fehlten ebenfalls. Ein Blick in die Akte bestätigte meine Annahme: Leberkrebs in fortgeschrittenem Stadium. Lies den Rest dieses Beitrags

Experiment 3088 ..... oder 'Eine Frage der Endlichkeit'

Du kannst dein Leben nicht verlängern, noch verbreitern... nur vertiefen (Gorch Fock)

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