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Schlagwort-Archive: Luise

Kurseinheit 7 – Spuren

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Bereits die siebte Kurseinheit liegt nun hinter mir. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie rasch der Befähigungskurs voranschreitet. Beinahe die Hälfte des Kurses ist geschafft, in sieben Monaten werde ich das Zertifikat in den Händen halten, welches mir erlaubt, in Zukunft in nahezu jedem Hospizdienst Deutschlands als Sterbebegleiterin zu arbeiten. Und in zwei Monaten werde ich meine ersten Begleitungen übernehmen dürfen.

Wenn nichts dazwischen kommt natürlich.

Man sagt mir häufig, dass ich dazu neige, mich auf die schönen Endresultate zu konzentrieren, statt die Dinge geplant und realistisch anzugehen. Diese schlechte Angewohnheit zeigte sich schon während der Abiturvorbereitung, als ich lieber in Katalogen nach dem passenden Kleid für den Abschlussball suchte, statt für die Prüfungen zu lernen. Oder während meines Umzugs in den Westen Deutschlands, als ich es vorzog, mir mittels Wohnmagazinen die hübsche Einrichtung der neuen Wohnung auszumalen, statt mein Hab und Gut in Kartons zu verpacken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Setzt man sich mit dem Tod und dem eigenen Sterben auseinander, kommt man nicht umhin sich zu fragen, was von seinem Leben übrig bleibt, wenn es erlischt. Was ist es, was wir unseren Familien und Freunden hinterlassen? Was bleibt, wenn wir gehen? Erinnerungen? Fotos? Hörensagen? Oder stirbt das Andenken mit uns? Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 6 – Auf dem heißen Stuhl

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Hallo, ihr Lieben!

Ich bin gerade in Berlin, um meine Familie zu besuchen und lerne parallel für die beiden Prüfungen, die ich Mitte März bestehen muss. Hier hat sich einiges verändert. Mein Bruder ist von zu Hause ausgezogen, was unsere Kinderzahl (wenn man mich als Gast nicht mitrechnet) von Sechs auf Vier reduziert. Die Räume wurden durchgewechselt und ich schlafe in meinem alten Kinderzimmer. Das ist eine interessante Erfahrung, aber irgendwie komisch. Meine Mutter hatte vor, mich an meinem ersten Morgen mit den Worten zu wecken: „Wach auf, Süße. Du kommst zu spät zur Schule!“

Das wäre wirklich verwirrend und irgendwie gruselig gewesen. Zum Glück war ich vorher schon wach.

Ich möchte nicht jeden Eintrag mit einer Entschuldigung oder Erklärung beginnen, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe, deshalb hier zum letzten Mal:

Entschuldigt, dass ich so lange nichts von mir habe hören lassen, es wird bestimmt bald wieder besser. Bestimmt!

Heute möchte ich euch von der bereits sechsten Kurseinheit berichten. Ich staune immer wieder, wie die Zeit rennt und wie viel der Kurs schon in mein Leben eingegriffen hat. Inzwischen identifiziere ich mich sehr mit den Inhalten, die wir behandeln und denke beinahe täglich über das Gelernte und Erfahrene nach. Noch nie habe ich an einer Schulung teilgenommen, die mich so sehr zum Nachdenken und Umstrukturieren bringt wie der Befähigungskurs zur Sterbebegleiterin.

Die sechste Kurseinheit war für mich besonders interessant, weil wir uns das erste Mal in die Praxis gewagt haben. Natürlich in geschütztem Umfeld, damit sich (laut Marie) niemand von uns überfordert fühlt.

Allerdings haben wir uns alle überfordert gefühlt, bei vielen flossen nach einigen Minuten die Tränen, zwei von uns verließen den Raum fluchtartig. Die sanfte Ella brachte uns alle an den Rand der Verzweiflung.

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Sie sah eigentlich sehr harmlos aus. Ihre angegrauten Locken kräuselten sich in weichen Wellen über ihren schmalen Schultern, ihre Lippen waren zu einem freundlichen Dauerlächeln verzogen.

Marie legte eine Hand auf ihre Schultern und sah uns an. „Schön, dass Sie erneut so zahlreich erschienen sind. Heute haben wir einen ganz besonderen Gast in unseren Reihen. Danke, dass du Zeit hattest, Ella.“

Gemurmelte Begrüßungen mischten sich unter das nervöse Fußscharren in unserem Stuhlkreis. Nach Maries Ankündigung, dass wir heute „eher praktisch“ arbeiten würden, hatte die Nervosität von uns Kursteilnehmern zugenommen. Es war, als würde man im Sportunterricht seinem Lehrer dabei zusehen, wie er ein unbekanntes, besonders hohes und gefährlich aussehendes Sportgerät aufbaute und gleichzeitig darüber nachdenken, wie genau man sich darauf zu blamieren hatte. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 5 – Chips und Abschiede

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Hallo, ihr Lieben! Ich melde mich nach einer langen Pause zurück, entschuldigt, dass ihr so lange auf die nächsten Einträge warten musstet. Ich habe Klausuren geschrieben und im Lernstress festgesteckt. Der sich leider nicht ausgezahlt hat, ich muss zu den Wiederholungsterminen noch einmal ran, aber was soll’s. Jetzt hab ich jedenfalls Zeit und Luft, euch den fünften Kurstermin des Hospizkurses zu beschreiben und damit ein wenig von dem aufzuholen, was ich die letzten zwei Wochen versäumt habe.

Falls ihr über das neue Design meines Blogs gestolpert seid – das musste einfach sein. Sissi bemerkte kopfschüttelnd, dass sich das Erscheinungsbild des Blogs von kitschig zu noch kitschiger gewandelt hat. Aber mir gefällt es. Es ist schön hell und verschnörkelt, so mag ich das.

Hoffentlich stört ihr euch nicht am Design, seid alle wohlauf und könnt ein wenig Sonne genießen! Bei mir scheint sie gerade. Nicht nur wegen der Kringelschrift, Herzchen und Vögel.

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Es gibt einige Dinge, die mir unglaublich unangenehm sind. Zum Beispiel, wenn ich immer mit dem gleichen Fuß auf Fugen trete. Dann setze ich den anderen Fuß absichtlich auch auf ein paar Fugen, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Ich mag es auch nicht, wenn Strohhalme oder Flaschenöffnungen auf mich gerichtet sind, das macht mich nervös. Aber am schlimmsten ist es, wenn mein Magen knurrt und meine Mitmenschen etwas davon mitbekommen. Die Geräusche, die mein Bauch im Hungersfall macht, sind mir sehr peinlich. Deshalb achte ich eigentlich immer darauf, etwas im Magen zu haben, bevor ich zu Univeranstaltungen oder Kurstreffen gehe.

Am Abend der fünften Kurseinheit war ich allerdings so in Eile, dass ich von der Bushaltestelle zum Gebäude rennen musste, um noch pünktlich anzukommen. Einen Bäcker gibt es in der Nähe der Kursstätte nicht, ich musste wohl oder übel mit leerem Magen durch das Gebäude huschen und auf meinen Sitzplatz im Stuhlkreis klettern. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 2 – bis in meine Träume

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Neulich wachte ich mitten in der Nacht auf und brauchte einen Moment, um mich zurechtzufinden. Neben mir lag mein Freund und atmete ruhig und gleichmäßig vor sich hin, sein Gesicht war entspannt und friedlich. Oft hilft es mir beim Einschlafen, ihn eine Weile zu betrachten und die Sanftheit seiner Züge auf mich wirken zu lassen, doch dieses Mal war es anders. Er war der Bösewicht in meinem Traum gewesen.

Mein Traum-Ich saß in der Küche und las Zeitung. Mein Traum-Freund saß mir gegenüber und trank Tee.

„Jetzt wirst du bald deinen ersten Kunden treffen.“

Ich nickte. Er sprach von dem Sterbenden, der jeden Moment an unsere Tür klopfen sollte. „Ja, ich weiß.“

Langsam und angewidert schüttelte er den Kopf. „Das ist so selbstsüchtig von dir. Er wird bald sterben und du lässt ihn bis hierher laufen. Es ist kalt draußen.“

Verwirrt hob ich den Kopf und sah ihn an. „Meinst du? Hat er kein Taxi genommen?“

„Das wäre ja noch schöner“, zischte er. „Auch noch das Geld aus dem Fenster werfen, damit für seine Familie nichts mehr bleibt! Die werden hungern müssen, weil du nur dich gesehen  und nicht an Andere gedacht hast.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 1 – das Kennenlernen

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Ich sitze am Küchentisch und habe Bauchweh. Für eine Party heute Abend habe ich als Mitbringsel unglaublich schokoladige Walnussbrownies gebacken, die mir am Rand ein wenig zu fest geraten sind. Also habe ich den Rand aufgegessen, damit ich die Stücke zu hübschen Rechtecken schneiden kann. Leider hat sich der Brownierand nicht mit dem schrecklichen Mittagessen vertragen, das ich nebenbei gekocht habe: Waldpilztütensuppe mit zerbröckelten Klößen. Hoffentlich liest meine Mutter nicht, wie ich mich ernähre, vermutlich wäre sie tieftraurig und betroffen. Ich verlasse mich einfach mal darauf, dass ihr mich nicht verratet.

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Gestern Abend stand die erste Kurseinheit des Befähigungskurses an. Den ganzen Tag über war ich nervös und aufgeregt. Was sollte ich tun, wenn die anderen Kursteilnehmer mich nicht mochten? Wie sollte ich auf die Frage antworten, was ich im Kursraum überhaupt zu suchen hatte? Ob die Kursleiter die Leute nach Hause schickten, die zu egoistische Antworten gaben? Oder ob die Atmosphäre gespannt und aufreibend war, weil die Teilnehmer sich mit tragischen Geschichten zu übertrumpfen versuchten? Hatte ich mir eigentlich genug Gedanken darüber gemacht, warum gerade ich Sterbende begleiten sollte? War ich geeignet? Zu unreif? Zu sehr auf meinen eigenen Vorteil bedacht? Hatte ich ein Helfersyndrom und stürzte mich in falsche Nächstenliebe? Grübelte ich zu viel?

Vier Stunden hatte ich noch Zeit, bis der Kurs beginnen sollte. Nach der Uni besuchte ich deshalb meinen Freund in seinem Büro, um mich von seiner ruhigen Art besänftigen zu lassen. Wenn ich in einen Grübelkreislauf rutsche, ist er mein Anker der Vernunft, der mich auf dem Boden hält. Wir überlegten eine Weile zusammen, was wir zu unserem fünften Jahrestag im Dezember unternehmen wollen und welche Reisen wir im nächsten Jahr angehen würden. Da ich den ganzen Tag noch nichts Richtiges gegessen hatte, wollte ich danach noch schnell in die Stadt, um mir mein Mittagessen zu kaufen, das gleichzeitig mein Abendbrot darstellen sollte.

Natürlich blieb ich länger bei meinem Freund sitzen, als mein Zeitplan es erlaubte. Deshalb musste ich in die Stadt rennen, um mein Essen und den Bus zu kriegen. Zu Hause bekleckerte ich meine Hose mit der Soße des Mittagessen-Abendbrot-Wraps, aber mir fehlte die Zeit, um mich umzuziehen. Also marschierte ich im Stechschritt zur Bushaltestelle und wischte gleichzeitig an meiner Hose herum. Glücklicherweise landete ich im richtigen Bus zur richtigen Zeit. Es wäre mir wirklich unangenehm gewesen, zur ersten Kurseinheit zu spät zu kommen. Der Kursort lag etwas außerhalb und versteckt, doch mein Navi im Handy lotste mich durch die kleinen und dunklen Straßen bis zu einem großen, kastenförmigen Gebäude. Lies den Rest dieses Beitrags

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