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Schlagwort-Archive: Religion

Erzähl mir deine Geschichte – Robert

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Ich traf Robert an seinem Arbeitsplatz, einem kleinen und alteingesessenen Bestattungsinstitut im Westen Deutschlands. Er übernahm den Betrieb seines Vaters, nachdem er seine Lehre als Tischler abgeschlossen hatte. Inzwischen ist Robert Ende Vierzig, hat zwei Kinder und führt eine glückliche Ehe. Er blickt auf über zwei Jahrzehnte Bestattererfahrung zurück.

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Ich bin ein wenig unsicher, was ich sagen soll. Bisher hat mich noch nie jemand um ein Interview gebeten. Also ich heiße Robert, bin 48 Jahre alt und habe mit meiner Frau zwei Kinder. Wir leben hier gut, es ist eine schöne Gegend, um Kinder aufzuziehen. Wir sind unglaublich schnell  im Grünen und haben trotzdem eine gute Anbindung an das Stadtzentrum. Meine Kunden schätzen die Ruhe, die von diesem Viertel ausgeht. Das ist auch sehr wichtig für die Gespräche, die ich mit ihnen führe, da wäre eine Lärmfassade wie in der Großstadt oder an der Hauptverkehrsstraße eher hinderlich. Lies den Rest dieses Beitrags

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Kurseinheit 8 – Wofür leiden wir?

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Hallo, ihr Lieben.

Ich sitze in der Bibliothek und sollte eigentlich an meiner Bachelor-Arbeit schreiben, aber da ich den nächsten Termin mit meinem Betreuer erst nächste Woche habe, ist der Druck noch nicht groß genug, als dass ich mich wirklich aufs Arbeiten konzentrieren könnte. Deshalb möchte ich die Stille und die Zeit nutzen, um von der achten Kurseinheit zu erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt.

Habt eine schöne Woche mit wenig Regen!

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„Ist dir die Bibel aufgefallen?“, flüsterte Ricki, als ich mich neben sie setzte und seufzend die Beine ausstreckte. Ich hatte sehr schnell laufen müssen, um pünktlich zur Kurseinheit zu kommen. Wie immer hatte ich die Länge des  Wegs unter- und die Länge meiner Beine überschätzt. Auf dem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises thronte dort, wo sonst normalerweise unsere Arbeitsblätter lagen, eine dicke Bibel.

Benno stieß die Luft aus. „Bitte nicht schon wieder Gerd!“

War der Seelsorger wieder verhindert und musste von Gerd vertreten werden? Ich hielt Ausschau nach seinen grimmigen Augenbrauen, doch ich entdeckte sie nirgends. Auch die Bibel kam mir nicht bekannt vor. Die goldenen Lettern waren auf braunes Leder gedruckt. Gerds Bibel hatte viel abgegriffener und außerdem dunkler ausgesehen.

„Ich glaube nicht, dass das Gerds Bibel ist“, raunte ich ihm zu. „Die gehört wahrscheinlich unserem Seelsorger.“

Benno lächelte schwach. „Als hätten diese Kirchenmänner nur eine Bibel, um sie den Menschen unter die Nase zu halten.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 6 – Lauschangriff im Bus

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Endlich habe ich die Klausuren hinter mich gebracht, die mich in den finalen Zügen sogar bis in meine Träume begleitet haben. Von einer Klausur hing so viel ab, dass mir bei dem Gedanken, was bei Versagen für Konsequenzen auf den Plan treten, schlecht wurde. Aber leider nicht so schlecht, dass ich nichts mehr hätte essen können.

Tatsächlich esse ich in Klausurenphasen durchaus gesund – ungefähr bis 11 Uhr vormittags. Danach geht es mit meiner Disziplin (lern- und ernährungstechnisch) rapide bergab und ich esse wie eine Drittklässlerin, die man in der Küche unbeaufsichtigt lässt.

Aber nun ist ja alles ausgestanden und ich kann mich wieder wichtigeren Dingen zuwenden: meinen Büchern, meiner Häkelnadel, meiner Harfe und meinem Freund. Falls er das hier liest, kann er sich ja mal Gedanken darüber machen, warum ich ihn an letzter Stelle nenne. Hihi. Nein, Spaß beiseite. Ohne ihn wäre die Klausurzeit sehr viel anstrengender und kräftezehrender gewesen. An dieser Stelle ein großes Danke hierfür.

Ich würde euch gern einen kleinen Gesprächsverlauf aufschreiben, den ich gestern belauscht habe.

Ich saß zu diesem Zeitpunkt im Bus und fuhr zu meiner ersten Klausur, als ein Wort fiel, das mich sofort aufhorchen ließ.

Sterben.

Inzwischen bin ich so sehr auf diese Thematik getrimmt und eingestimmt, dass ich mich bei Schlagworten dieser Art direkt angesprochen fühle. Zwei Reihen vor mir saßen zwei Jugendliche, die auf ihren Smartphones tippten und sich dabei unterhielten. Da der Bus sehr leer war, konnte ich ihrem Gespräch gut folgen.

Sie wirkten relativ jung, vielleicht Fünfzehn, trugen Baseballmützen und ausgelatschte Turnschuhe.

„…find ich voll deprimierend“, sagte der eine.

„Was meinst du?“

„Na, sterben. Darüber zu reden. Das machen wir gerade in Ethik.“

„Ethik ist scheiße!“

„Ja, stimmt. Wer sich das ausgedacht hat…da war ja Religionsunterricht besser.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 4 – Glaubensfrage

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Es gibt einige Dinge, die man kategorisch einfach nicht mag, ohne sich die Einzelfälle anzusehen. Wenn ich das Wort „Fischgericht“ höre, lehne ich prinzipiell erst einmal ab. Ich mag nur Lachs mit Zitrone, am besten gegrillt und auf keinen Fall geräuchert. Alle anderen Fische, Garnelen, Muscheln und diverse Meerestiere riechen so streng, dass ich nicht mal einen kleinen Bissen probieren möchte. Es wäre vielleicht vernünftig, ab und an seinen Geschmack zu überprüfen und etwas Neues auszuprobieren, aber Fisch lehne ich ab.

Clowns finde ich niemals lustig, sondern immer gruselig, es sei denn, sie haben kein Make-up im Gesicht und eine normale, schmale, menschliche Nase. Also lehne ich auch Clowns ab.

Viele Dinge stehen nicht auf meiner Ablehnliste. Fisch, Clowns und vielleicht noch Ballsportarten. Aber momentan bin ich dabei, einen neuen Begriff auf die Liste zu setzen. Eine Gruppe, die ich fortan unfairerweise im Kollektiv mehr oder weniger unbewusst und instinktiv ablehnen werde.

Seelsorger.

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Fragerunde Nr. 3

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Eine kleine Zwischenmeldung von mir, bevor mein Blog mehr als eine ganze Woche brach liegt:

Momentan schreibe ich (dank meines schlechten Zeitmanagements) mit Hochdruck an meiner wissenschaftlichen Hausarbeit und habe kaum Zeit, mich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Gebrannte Mandeln kann ich zwischendurch aber trotzdem für das „Projekt Danke“ machen und verteilen. Nach meinem Abgabetermin am 4.12. werde ich euch ausführlich berichten, wie die Reaktionen der Leute ausgefallen sind und was für Begegnungen ich machen durfte.

Anbei habe ich die Fragen aufgeschrieben, die sich in meinem Postfach angesammelt haben. Habt alle eine schöne Woche mit viel Sonne!

„In deinen Texten schreibst du manchmal, dass du einen Zugang gelegt hast oder wie ich finde sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hast. Für „nur“ eine Praktikantin ziemlich viel wie ich finde…
Ich möchte damit keineswegs deine Kompetenzen anzweifeln aber ist das den rein rechtlich gesehen nicht verboten und ziemlich riskant. Könnte ja auh sein, dass da ein Praktikant daher gelaufen kommt, der nicht besonders fix im Kopf ist und erheblichen Schaden anrichtet. Oder wie ich in meinem Praktikum noch keine Vorerfahrungen hatte. Du hattest ja immerhin noch viel Theorieunterricht davor. Gibt diese Ausbildung einem auch die Befugnis für solche Aufgaben?“

Danke noch einmal für deine liebe Mail und deine Frage. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist in Deutschland (je nach Ausbildungsmodell und Schule) auch in Stufen absolvierbar. Nach der Rettungshelferausbildung, die ungefähr zwei Wochen dauert, macht man eine Zwischenprüfung und ist als Rettungshelfer sozusagen der Assistent des Sanitäters. Der sich anschließende Sanitäterlehrgang dauert ungefähr vier Monate oder länger (je nachdem, ob man einen zusätzlichen Führerschein macht) und ist die häufigste Ausbildung, die die Fahrer des Rettungswagens hinter sich bringen. Legt man noch einmal sechs Monate theoretischen und praktischen Unterricht drauf, kann man das Staatsexamen zum Rettungsassistenten ablegen. Ein RA ist der Assistent des Notarztes, repräsentiert also die höchste nichtärztliche Ausbildung im präklinischen Bereich. Wenn kein Notarzt zur Stelle ist und es nötig wird, Kompetenzen zu überschreiten (was zum Beispiel Medikamentengabe, Intubation etc. umfasst), muss der RA in der Lage sein, diese Maßnahmen auch ohne ärztliche Aufsicht durchzuführen. Deshalb werden angehende RAs im Praktikum auf diese Tätigkeiten vorbereitet und dürfen (im Idealfall unter Aufsicht) Zugänge legen, Medikamente spritzen, Blut abnehmen, intubieren usw. Es kommt aber immer auf die Einstellung der Pflege an, wie viele Aufgaben du übernehmen darfst. Ich hatte das Glück oder das Pech, dass ich auf einer Station war, die mir sehr freie Hand gelassen und wenig Wert auf Betreuung gelegt hat. Ansonsten bewegt man sich häufig in einer rechtlichen Grauzone.

 

Sind in deiner Familie schon viele Menschen gestorben?

Bewusst mitbekommen habe ich nur den Tod meiner Tante. Ich hab sie sehr gern gehabt, sie hatte ein offenes und frohes Wesen. Ich war 14 oder 15, als sie in einem Hospiz an Krebs starb. Kurz vor ihrem Tod habe ich sie noch einmal besucht, das war eine schöne Erfahrung für mich. Schwieriger war der Umgang mit meiner trauernden Mutter, damit war ich etwas überfordert. Sie trauert auf ihre eigene Art und macht vieles mit sich alleine aus, es ist schwer zu akzeptieren, dass man von diesem Prozess ausgeschlossen ist und nichts direkt tun kann, um ihr zu helfen. Kurz vor ihrem Tod hat meine Tante zum Buddhismus gefunden. Manchmal frage ich mich, ob sie vielleicht noch irgendwie in der Nähe ist. Die Vorstellung der Wiedergeburt finde ich schön.

Bist du religiös oder so? Was erzählst du toten Menschen, wenn sie dich fragen, woran du glaubst?

Tote Menschen fragen nicht mehr so viel (hihi), aber sterbende Menschen werde ich auch spirituell begleiten. Ich bin zwar getauft, aber die klassische Agnostikerin. Ich streite theologische Annahmen nicht grundsätzlich ab, weiß aber nicht genau, woran ich glauben soll/kann/darf/will. Die Vorstellung, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht, ist natürlich verlockend. Vermutlich möchte niemand von uns einfach verschwinden, sondern die Gewissheit haben, dass wir der Welt bzw. Nachwelt erhalten bleiben. Mein Freund ist gar nicht religiös und macht oft Scherze über das Christentum und über Gott. Ich muss zugeben, dass ich mich dabei vor lauter Sorge um sein Seelenheil manchmal unwohl fühle und hoffe, dass er dafür nicht in die Hölle kommt.

Wie siehst du aus?

Für solche Fragen empfehle ich dir Chat-Plattformen, die auf solche Arten von Gesprächen spezialisiert sind. Ansonsten habe ich zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund.

Ich hab in Dortmund eine alte Frau gesehen, die kleinen Kindern auf der Straße Kekse geschenkt hat. Warst du das mit deinem Danke-Projekt?

…ich werde im Dezember zwar schon 23, aber als alte Frau hätte ich mich jetzt nicht bezeichnet. Nein, das war ich nicht. Aber lieb, dass du an mich gedacht hast.

Hausaufgaben – „Projekt Danke“

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Heute hatte ich eine Email im Postfach, die mich sehr überrascht hat. Die Koordinatorin des Hospizdienstes hat eine Nachricht an alle Teilnehmer geschickt, die unsere Hausaufgaben für die Woche enthält, in der kein Kurstreffen stattfindet.

„Liebe Kursteilnehmer,

den ersten Schritt in die Sterbebegleitung haben sie vor einigen Tagen gemeinsam mit mir gewagt. Wie Sie sicher schon erahnt haben, geht es in der Begleitung um Nähe und die Fähigkeit, diese Nähe zuzulassen. Das bedarf einiger Übung. Deshalb möchte ich, dass Sie sich folgende Fragen stellen:

1) Wann war ich das letzte Mal wirklich gut zu mir und habe zugelassen, dass ich mich vollends entspanne?

2) Wann habe ich das letzte Mal Hilfe angenommen, ohne mich in der Bringschuld zu fühlen?

3) Wann habe ich mich das letzte Mal für etwas bedankt, das mir viel zu selbstverständlich erschien?

4) Wann habe ich mich das letzte Mal wohlwollend im Spiegel betrachtet und war zufrieden mit dem, was ich gesehen habe?

Beantworten Sie diese Fragen für sich und machen Sie sich einige Notizen darüber. Wenn Sie feststellen, dass Einiges bereits lange zurückliegt, ändern Sie etwas daran. Werden Sie aktiv, gehen Sie auf Menschen zu! Es wird Ihnen gut tun. Wie Sie diese Aufgabe umsetzen, ist Ihnen überlassen. Ich werde auch nichts einsammeln, schließlich sind wir nicht in der Schule.

Ich freue mich auf unsere nächste Kurseinheit nächste Woche und wünsche Ihnen viel Sonne.

Liebe Grüße

Marie“

Ich las die Mail dreimal und dachte dabei über die gestellten Fragen nach. Es war relativ schwierig, sie ehrlich zu beantworten. Wann war ich das letzte Mal bewusst gut zu mir gewesen? Ganz ohne schlechtes Gewissen? Gute Dinge, die man mir tun kann, sind mich lange schlafen lassen, mich an leckeren Sachen riechen zu lassen und mir den Rücken zu kraulen. In dieser Hinsicht bin ich sehr einfach gestrickt. Am liebsten nehme ich einen reifen Pfirsich oder ein Stück sehr dunkle Schokolade in die Hand und rieche minutenlang daran. Essen würde ich die dunkle Schokolade nie, weil alles über 40% Kakaoanteil wie Erde schmeckt. Aber riechen tut sie gut!

Ich lief also gleich in die Küche und roch – in Ermangelung eines Pfirsichs – an einer Birne. Das vertraute Glücksgefühl stellte sich jedoch nicht ein. Auch die dunkle Schokolade machte mich nicht glücklicher. Erst recht nicht, als ich sie mir reflexartig in den Mund steckte. Sie schmeckte tatsächlich nach Erde. Lies den Rest dieses Beitrags

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