RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Rettungsdienst

Fragerunde Nr. 3

Veröffentlicht am

Eine kleine Zwischenmeldung von mir, bevor mein Blog mehr als eine ganze Woche brach liegt:

Momentan schreibe ich (dank meines schlechten Zeitmanagements) mit Hochdruck an meiner wissenschaftlichen Hausarbeit und habe kaum Zeit, mich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Gebrannte Mandeln kann ich zwischendurch aber trotzdem für das „Projekt Danke“ machen und verteilen. Nach meinem Abgabetermin am 4.12. werde ich euch ausführlich berichten, wie die Reaktionen der Leute ausgefallen sind und was für Begegnungen ich machen durfte.

Anbei habe ich die Fragen aufgeschrieben, die sich in meinem Postfach angesammelt haben. Habt alle eine schöne Woche mit viel Sonne!

„In deinen Texten schreibst du manchmal, dass du einen Zugang gelegt hast oder wie ich finde sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hast. Für „nur“ eine Praktikantin ziemlich viel wie ich finde…
Ich möchte damit keineswegs deine Kompetenzen anzweifeln aber ist das den rein rechtlich gesehen nicht verboten und ziemlich riskant. Könnte ja auh sein, dass da ein Praktikant daher gelaufen kommt, der nicht besonders fix im Kopf ist und erheblichen Schaden anrichtet. Oder wie ich in meinem Praktikum noch keine Vorerfahrungen hatte. Du hattest ja immerhin noch viel Theorieunterricht davor. Gibt diese Ausbildung einem auch die Befugnis für solche Aufgaben?“

Danke noch einmal für deine liebe Mail und deine Frage. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist in Deutschland (je nach Ausbildungsmodell und Schule) auch in Stufen absolvierbar. Nach der Rettungshelferausbildung, die ungefähr zwei Wochen dauert, macht man eine Zwischenprüfung und ist als Rettungshelfer sozusagen der Assistent des Sanitäters. Der sich anschließende Sanitäterlehrgang dauert ungefähr vier Monate oder länger (je nachdem, ob man einen zusätzlichen Führerschein macht) und ist die häufigste Ausbildung, die die Fahrer des Rettungswagens hinter sich bringen. Legt man noch einmal sechs Monate theoretischen und praktischen Unterricht drauf, kann man das Staatsexamen zum Rettungsassistenten ablegen. Ein RA ist der Assistent des Notarztes, repräsentiert also die höchste nichtärztliche Ausbildung im präklinischen Bereich. Wenn kein Notarzt zur Stelle ist und es nötig wird, Kompetenzen zu überschreiten (was zum Beispiel Medikamentengabe, Intubation etc. umfasst), muss der RA in der Lage sein, diese Maßnahmen auch ohne ärztliche Aufsicht durchzuführen. Deshalb werden angehende RAs im Praktikum auf diese Tätigkeiten vorbereitet und dürfen (im Idealfall unter Aufsicht) Zugänge legen, Medikamente spritzen, Blut abnehmen, intubieren usw. Es kommt aber immer auf die Einstellung der Pflege an, wie viele Aufgaben du übernehmen darfst. Ich hatte das Glück oder das Pech, dass ich auf einer Station war, die mir sehr freie Hand gelassen und wenig Wert auf Betreuung gelegt hat. Ansonsten bewegt man sich häufig in einer rechtlichen Grauzone.

 

Sind in deiner Familie schon viele Menschen gestorben?

Bewusst mitbekommen habe ich nur den Tod meiner Tante. Ich hab sie sehr gern gehabt, sie hatte ein offenes und frohes Wesen. Ich war 14 oder 15, als sie in einem Hospiz an Krebs starb. Kurz vor ihrem Tod habe ich sie noch einmal besucht, das war eine schöne Erfahrung für mich. Schwieriger war der Umgang mit meiner trauernden Mutter, damit war ich etwas überfordert. Sie trauert auf ihre eigene Art und macht vieles mit sich alleine aus, es ist schwer zu akzeptieren, dass man von diesem Prozess ausgeschlossen ist und nichts direkt tun kann, um ihr zu helfen. Kurz vor ihrem Tod hat meine Tante zum Buddhismus gefunden. Manchmal frage ich mich, ob sie vielleicht noch irgendwie in der Nähe ist. Die Vorstellung der Wiedergeburt finde ich schön.

Bist du religiös oder so? Was erzählst du toten Menschen, wenn sie dich fragen, woran du glaubst?

Tote Menschen fragen nicht mehr so viel (hihi), aber sterbende Menschen werde ich auch spirituell begleiten. Ich bin zwar getauft, aber die klassische Agnostikerin. Ich streite theologische Annahmen nicht grundsätzlich ab, weiß aber nicht genau, woran ich glauben soll/kann/darf/will. Die Vorstellung, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht, ist natürlich verlockend. Vermutlich möchte niemand von uns einfach verschwinden, sondern die Gewissheit haben, dass wir der Welt bzw. Nachwelt erhalten bleiben. Mein Freund ist gar nicht religiös und macht oft Scherze über das Christentum und über Gott. Ich muss zugeben, dass ich mich dabei vor lauter Sorge um sein Seelenheil manchmal unwohl fühle und hoffe, dass er dafür nicht in die Hölle kommt.

Wie siehst du aus?

Für solche Fragen empfehle ich dir Chat-Plattformen, die auf solche Arten von Gesprächen spezialisiert sind. Ansonsten habe ich zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund.

Ich hab in Dortmund eine alte Frau gesehen, die kleinen Kindern auf der Straße Kekse geschenkt hat. Warst du das mit deinem Danke-Projekt?

…ich werde im Dezember zwar schon 23, aber als alte Frau hätte ich mich jetzt nicht bezeichnet. Nein, das war ich nicht. Aber lieb, dass du an mich gedacht hast.

Momentaufnahme Nr. 1 – Wankelmut

Veröffentlicht am

Vorgestern war ich bei meinem Vorstellungsgespräch für den Katastrophenschutz. Die Zugführer und Gruppenleiter waren unheimlich nett und aufgeschlossen und haben mir sofort Einsatzkleidung und das „Rettungssanitäter“-Schild für den Rücken ausgehändigt. Sie haben keinen Zweifel daran gelassen, dass sie gerne mehr Frauen in ihrer Einsatzeinheit hätten und mir aufgezählt, bei welchen Einsätzen sie bisher mitgewirkt haben.

Die Sanitäter, Helfer und Betreuer innerhalb der Einheit waren ebenfalls sehr nett und haben mich sofort in die Gruppe integriert, ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, unerwünscht zu sein. Die Charaktere der Einheit sind bunt gemischt, jedes Alter ist vertreten. Da gibt es Cordula, die mit Ende Fünfzig in den Katastrophenschutz eingestiegen ist und zusammen mit ihrem Sohn Timmy Einsätze fährt. Mart, der als IT-Fachmann arbeitet und gerade dabei ist, eine Familie zu gründen, Krissy, die seit fünf Jahren ausgebildete Krankenschwester ist und sich bereits zur Gruppenleiterin der Betreuung hochgearbeitet hat und Bea, die bald ihren vierzigsten Geburtstag feiert und als Sekretärin arbeitet.

Der Ton war gewohnt rau und ruppig, wie ich es vom Personal des Rettungsdienstes kannte. Wir lachten viel, aßen Würste (auch das war auf meiner Rettungswache ein alltägliches Ritual) und ich hatte die Möglichkeit, mir die Gerätschaften und Fahrzeuge der Einheit erklären zu lassen.

Nun bin ich im Zwiespalt. In knapp zwei Wochen ist der erste Termin der Ausbildung zur Sterbebegleiterin. Zwei Ehrenämter kann ich unmöglich zeitlich unter einen Hut bringen. Beides erscheint mir wahnsinnig interessant.

Gestern telefonierte ich mit meinem Freund und erzählte ihm von meinen Entscheidungsschwierigkeiten. Lies den Rest dieses Beitrags

Nach dem Tod ist vor dem Tod – Humor im Rettungsdienst

Veröffentlicht am

Nach der Begegnung mit meiner ersten Leiche hatte sich mein Bild von der Arbeit im Rettungsdienst ein wenig normalisiert. Im theoretischen Ausbildungsteil kann man noch so häufig darauf hingewiesen werden, dass der Rettungsdienst derbe, oftmals unangenehm und undankbar ist – irgendwie geht man davon aus, dass es trotzdem ein bisschen so ist wie in Filmen. Dass die Angehörigen atemlos die Tür aufreißen, ein schnelles „Gott sei Dank, dass Sie da sind!“ hauchen und sich während der Maßnahmen kooperativ zeigen.

In der Wirklichkeit waren die Angehörigen oftmals ein größeres Problem als die Patienten selbst. Besonders in den Fällen, in denen der Patient nicht mehr in der Lage war, für sich selbst zu sprechen, wurden die Angehörigen zu einem allwissenden Ersatzsprachorgan.

„Mein Mann mag Krankenhäuser nicht!“, sagte die ältere Dame und verstellte die Haustür. „Sie können ihn hier behandeln, aber er verlässt das Haus nicht. Diese Krankenhausumgebung macht ihn nur noch kränker.“

Mona deutete auf das eingefallene und verzogene Gesicht des Mannes. „Ihr Mann hat einen Schlaganfall. Wir werden ihn in ein Krankenhaus bringen, damit wir dort die bleibenden Schäden eindämmen können. Gehen Sie bitte aus dem Weg oder wir rufen die Polizei.“

Lies den Rest dieses Beitrags

Azubi ohne Plan – meine erste Begegnung mit dem Tod

Veröffentlicht am

Die Rettungswache in Brandenburg war klein und nicht allzu hoch frequentiert. Pro Tag fuhren wir ungefähr vier Einsätze, manchmal auch nur zwei. Ich stand um Drei mitten in der Nacht auf, hatte eine knappe Stunde Zeit, um wachzuwerden und zu duschen und fuhr zwei Stunden mit dem Zug. Wir hatten 12-Stunden-Schichten, immer von Sechs bis Sechs. Bis ich zu Hause war und mich ins Bett legen konnte, war es allerdings schon 23 Uhr. In dieser Zeit war ich beinahe noch launischer als in meiner ersten Das-Abi-ist-vorbei-was-tue-ich-Selbstfindungsphase.

An meinem ersten Arbeitstag fiel ich sofort unangenehm auf. Ich war den Rettungsdienstlern zu klein.

„Wie willst du denn so ’ne fette Sau heben, die auf der Straße liegt?“, fragte Mike und schmierte sich Hackepeter auf sein Brötchen. Sein Leibgericht, wie ich in den folgenden Wochen mitbekam. Fünf von solchen Brötchen aß er pro Tag.

„Willst du gegen mich Armdrücken machen?“, fragte ich zurück, um die entstandene Stille zu überbrücken.

Lies den Rest dieses Beitrags

Abiturientin ohne Plan – mein Weg in den Rettungsdienst

Veröffentlicht am

Mit dem Abitur endete die Schule. Ich war erleichtert, die Schulzeit hinter mir zu haben und einen neuen Abschnitt beginnen zu können. Nicht dass mir die Schule keinen Spaß gemacht hätte oder ich meine Mitschüler nicht mochte, aber ich war einfach gespannt, welche Möglichkeiten ich nun hatte.

Doch einige Monate vor den Prüfungen tat sich das erste Problem auf: Ich hatte viel zu viele Möglichkeiten und viel zu wenig Ahnung, was ich eigentlich wollte.

Ich nahm mir vor, offen für Ideen zu bleiben und suchte in allen möglichen Tätigkeitsfeldern nach interessanten Anregungen. Eine Woche später schickte ich eine Bewerbung zur Kriminalpolizei, um an einem Auswahlverfahren für den Gehobenen Dienst teilzunehmen. Schauergeschichten kursierten in den Kursräumen meiner Schule. Die Berliner Polizei würde sowieso nur Kandidaten einladen, die ein Zwischenzeugnis mit einem Notenschnitt von 1,5 einreichten. Die Sportprüfung wäre der absolute Horror und noch dazu gefährlich. Es gab Leute, die sich den Hals gebrochen hatten.

Lies den Rest dieses Beitrags

Experiment 3088 ..... oder 'Eine Frage der Endlichkeit'

Du kannst dein Leben nicht verlängern, noch verbreitern... nur vertiefen (Gorch Fock)

Quasseltasche

Wie bringst Du Gott zum Lachen? Erzähle ihm von Deinen Plänen.

Leanders feine Linie

Mein Gehirn auf Abwegen

kinderdoc.wordpress.com/

Geschichten aus der Kinder- und Jugendarztpraxis und darüber hinaus

Anna im Backwahn

"Kuchen macht glücklich"

druckstelle

Blog für kleine und große Texte

125tel | Fotogalerie

Street Photography | Landschaftsbilder | Momentaufnahmen

Was uns bewegt

Everything you always wanted to know about motivation -- and did not dare to ask.

berlinmittemom

mothers are all slightly insane.

Schnipselfriedhof

Weblog von Andreas Krenzke und Volker Strübing

Altenheimblogger

Verrückt unter Verwirrten

Der steinige Weg

...auf dem Weg zur Lehrerin

Josephine Im Chaos

(M)ein Leben zwischen Chaos und Kinderkriegen

Perspektivenwechsel - vom anders normal sein

Herzchaosmama (Asperger-Autistin und alleinerziehend) erzählt aus dem Leben einer besonderen Kleinfamilie

Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

Romane und der ganz normale Wahnsinn

Alltagimrettungsdienst Blog

Der Alltag im Rettungsdienst aus meiner Sicht

Trinas Welt

Mitten im Leben