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Schlagwort-Archive: Sterben

Erzähl mir deine Geschichte – Sophie

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Sophie ist bei einem Krisennotdienst angestellt, der telefonische Betreuung und eine erste Anlaufstelle für Menschen bietet, die mit ihrer Situation überfordert sind und Hilfe brauchen. Ich traf sie an ihrem Arbeitsplatz: ihrem Wohnzimmertisch, der mit einer Taschentuchpackung unter einem Bein stabilisiert wird, weil er ansonsten so sehr schwankt, dass der Kaffee überschwappt. Dort sitzt sie meistens auch, wenn sie ihre Anrufe entgegennimmt.

„Schön, dass du da bist, setz dich doch bitte. Haha, nein, die Stühle sind bisher stabil, da musst du keine Sorge haben. Möchtest du ein Glas Wasser? Es ist doch sehr warm draußen. Bitte sehr.

So. Du möchtest wissen, wie mein Alltag so abläuft und was der Krisennotdienst so macht, nicht wahr? Gut, lass mich einen Moment überlegen. Lies den Rest dieses Beitrags

Hausaufgaben – Wenn ich sterbe

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Heute Morgen klingelte mein Wecker bereits um 5:15, weil ich am Freitagmorgen immer joggen gehe. Nun ja, jedenfalls mache ich das seit zwei Monaten und hoffe, dass ich meine Dreimal-pro-Woche-laufen-Regel weiterhin einhalten kann. Wenn es draußen noch dämmrig und die Luft ganz neblig und nass ist, ist es oft schwer, sich aus der warmen Bettdecke zu schälen, aber es ist auf der anderen Seite schön, wenn man Trainingsfortschritte beobachten und ohne Reue naschen kann.

Mein Spiegelbild sah mir missbilligend und verschlafen dabei zu, wie ich meine Schuhe band und meine türkisen Lieblingskopfhörer auf die Ohren drückte. Es hatte offensichtlich genauso wenig Lust auf sportliche Betätigung wie ich. Doch sobald ich draußen an der frischen Luft und die ersten Schritte gelaufen war, fiel die Müdigkeit von mir ab, ebenso die Gedanken zur Tagesplanung, Abschlussarbeit, Arbeiterei.

Morgens ist die Stadt noch still, die Nacht zieht sich zurück und der Himmel hängt tief. Letzte Nacht hatte es geregnet, deshalb glänzten kleine Pfützen zwischen der Pflasterung der Straße. Ich sah meinen Füßen beim Laufen zu, lauschte der Musik und dachte nach.

Die Hospiz-Koordinatorin hatte ihre Meinung noch einmal überdacht, uns von unserer eigenen Beerdigung fern zu halten. In ihrer Mail begründete sie den Umschwung folgendermaßen: Lies den Rest dieses Beitrags

Erzähl mir deine Geschichte – Robert

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Ich traf Robert an seinem Arbeitsplatz, einem kleinen und alteingesessenen Bestattungsinstitut im Westen Deutschlands. Er übernahm den Betrieb seines Vaters, nachdem er seine Lehre als Tischler abgeschlossen hatte. Inzwischen ist Robert Ende Vierzig, hat zwei Kinder und führt eine glückliche Ehe. Er blickt auf über zwei Jahrzehnte Bestattererfahrung zurück.

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Ich bin ein wenig unsicher, was ich sagen soll. Bisher hat mich noch nie jemand um ein Interview gebeten. Also ich heiße Robert, bin 48 Jahre alt und habe mit meiner Frau zwei Kinder. Wir leben hier gut, es ist eine schöne Gegend, um Kinder aufzuziehen. Wir sind unglaublich schnell  im Grünen und haben trotzdem eine gute Anbindung an das Stadtzentrum. Meine Kunden schätzen die Ruhe, die von diesem Viertel ausgeht. Das ist auch sehr wichtig für die Gespräche, die ich mit ihnen führe, da wäre eine Lärmfassade wie in der Großstadt oder an der Hauptverkehrsstraße eher hinderlich. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 8 – Wofür leiden wir?

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Hallo, ihr Lieben.

Ich sitze in der Bibliothek und sollte eigentlich an meiner Bachelor-Arbeit schreiben, aber da ich den nächsten Termin mit meinem Betreuer erst nächste Woche habe, ist der Druck noch nicht groß genug, als dass ich mich wirklich aufs Arbeiten konzentrieren könnte. Deshalb möchte ich die Stille und die Zeit nutzen, um von der achten Kurseinheit zu erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt.

Habt eine schöne Woche mit wenig Regen!

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„Ist dir die Bibel aufgefallen?“, flüsterte Ricki, als ich mich neben sie setzte und seufzend die Beine ausstreckte. Ich hatte sehr schnell laufen müssen, um pünktlich zur Kurseinheit zu kommen. Wie immer hatte ich die Länge des  Wegs unter- und die Länge meiner Beine überschätzt. Auf dem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises thronte dort, wo sonst normalerweise unsere Arbeitsblätter lagen, eine dicke Bibel.

Benno stieß die Luft aus. „Bitte nicht schon wieder Gerd!“

War der Seelsorger wieder verhindert und musste von Gerd vertreten werden? Ich hielt Ausschau nach seinen grimmigen Augenbrauen, doch ich entdeckte sie nirgends. Auch die Bibel kam mir nicht bekannt vor. Die goldenen Lettern waren auf braunes Leder gedruckt. Gerds Bibel hatte viel abgegriffener und außerdem dunkler ausgesehen.

„Ich glaube nicht, dass das Gerds Bibel ist“, raunte ich ihm zu. „Die gehört wahrscheinlich unserem Seelsorger.“

Benno lächelte schwach. „Als hätten diese Kirchenmänner nur eine Bibel, um sie den Menschen unter die Nase zu halten.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 9 – Reden und reden lassen

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Hallo, ihr Lieben!

Das nächste Interview habe ich noch nicht transkribiert, das bekommt ihr aber demnächst zu lesen. Ich habe mit einem Bestatter gesprochen, der meiner Meinung nach eine sehr abgeklärte und trotzdem romantische Einstellung zum Tod hat. Das Gespräch hat mir unheimlich viel Inspiration eingebracht und neue Gedankengänge angestoßen.

Ansonsten ist das letzte Bachelor-Semester angebrochen und ich habe begonnen, an meiner Abschlussarbeit zu schreiben. Deshalb habe ich meine Nase ständig in staubigen Büchern. In wenigen Monaten ist das Semester schon wieder vorbei, dann ziehe ich zurück nach Berlin, um dort mein Masterstudium aufzunehmen. Sofern ich einen Platz bekomme, versteht sich. Hoffentlich geht das alles gut!

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Heute möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die durch eine Unterhaltung mit einer sehr erfahrenen Sterbebegleiterin aufgeworfen wurde: Darf man mit Sterbenden über den Tod sprechen?

Oftmals werden Sterbebegleiter eingesetzt, um die Menschen vor dem sozialen Tod zu bewahren, den ich schon einmal angesprochen habe. Liegen die Menschen im Sterben, bleiben häufig die Besuche aus. Dies kann mehrere, sehr individuelle Gründe haben. Manchmal ist es rein praktisch nicht möglich, einen sterbenden Angehörigen regelmäßig zu besuchen. Vielleicht wohnt man ein gutes Stück entfernt, arbeitet Vollzeit, ist im Uni- oder Schulstress. Der eigene kleine Kosmos dreht sich weiter und zieht unseren Blick vom Sterbenden und seinen Bedürfnissen ab. Das ist auch wichtig. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 7 – Spuren

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Bereits die siebte Kurseinheit liegt nun hinter mir. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie rasch der Befähigungskurs voranschreitet. Beinahe die Hälfte des Kurses ist geschafft, in sieben Monaten werde ich das Zertifikat in den Händen halten, welches mir erlaubt, in Zukunft in nahezu jedem Hospizdienst Deutschlands als Sterbebegleiterin zu arbeiten. Und in zwei Monaten werde ich meine ersten Begleitungen übernehmen dürfen.

Wenn nichts dazwischen kommt natürlich.

Man sagt mir häufig, dass ich dazu neige, mich auf die schönen Endresultate zu konzentrieren, statt die Dinge geplant und realistisch anzugehen. Diese schlechte Angewohnheit zeigte sich schon während der Abiturvorbereitung, als ich lieber in Katalogen nach dem passenden Kleid für den Abschlussball suchte, statt für die Prüfungen zu lernen. Oder während meines Umzugs in den Westen Deutschlands, als ich es vorzog, mir mittels Wohnmagazinen die hübsche Einrichtung der neuen Wohnung auszumalen, statt mein Hab und Gut in Kartons zu verpacken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Setzt man sich mit dem Tod und dem eigenen Sterben auseinander, kommt man nicht umhin sich zu fragen, was von seinem Leben übrig bleibt, wenn es erlischt. Was ist es, was wir unseren Familien und Freunden hinterlassen? Was bleibt, wenn wir gehen? Erinnerungen? Fotos? Hörensagen? Oder stirbt das Andenken mit uns? Lies den Rest dieses Beitrags

Erzähl mir deine Geschichte – Sally

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Es gibt ein kleines Jubiläum zu feiern! Dies ist der 50. Artikel, den ich hier veröffentliche. Deshalb habe ich beschlossen, eine neue Artikelserie zu starten. Ich würde gern ein paar Lebensgeschichten einfangen und die Meinungen der Menschen zum Leben und zum Tod niederschreiben, um andere Perspektiven aufzuzeigen und Einblicke in das Gefühlsleben interessanter Menschen zu gewähren.

Wie denken andere Menschen über ihren eigenen Tod? Welche Pläne, welche Wünsche haben sie für ihre Zukunft? Und was beschäftigt sie in ihrem Alltag? Wie stehen sie zur Vergänglichkeit des Lebens und was bereitet ihnen Kummer? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich Interviews führen, die den Befragten viel Raum für ihr Antworten lassen.

Mein erstes Interview habe ich mit Sally geführt. Sie ist Prostituierte und hat ihre bisherige Ausbildung zur Trockenbauerin abgebrochen. Der Artikel, der auf der Basis ihrer Antworten entstand, ist in der Ich-Perspektive geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es ihre eigene Geschichte ist. Viel Spaß beim Lesen und schöne Osterfeiertage!

„Sally ist eigentlich nicht mein richtiger Name. Aber wir alle hier haben uns einen Künstlernamen zugelegt, das ist einfach gesünder. Ich möchte auch nicht, dass meine Kunden meinen wirklichen Namen kennen und mich auf der Straße damit ansprechen. Zum Glück bin ich noch keinem von ihnen außerhalb des Clubs begegnet.

Ja, wir nennen es Club. Wir mögen das Wort „Bordell“ oder „Puff“ nicht sonderlich. Vielleicht ist das woanders nicht so, aber hier nennen wir es Club. Und was wir hier machen, das nennen wir arbeiten. Wahrscheinlich denken viele, dass ich den einfachsten Job der Welt habe, dass ich mich nur hinlegen und die Beine breit machen muss. Aber solche Leute mag ich nicht. Ich arbeite genauso hart für mein Geld wie alle anderen Berufstätigen auch. Und opfere dafür auch noch einen Teil meines Privatlebens. Es ist nicht so einfach, einen Mann kennenzulernen, wenn man in einem Club arbeitet. Schließlich werde ich regelmäßig mit den unterschiedlichsten Männern intim, das ist schon ein harter Brocken für den festen Freund. Momentan bin ich sogar vergeben, aber über die Arbeit reden wir aus Prinzip nicht. Lies den Rest dieses Beitrags

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