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Schlagwort-Archive: Zweifel

Kurseinheit 8 – Wofür leiden wir?

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Hallo, ihr Lieben.

Ich sitze in der Bibliothek und sollte eigentlich an meiner Bachelor-Arbeit schreiben, aber da ich den nächsten Termin mit meinem Betreuer erst nächste Woche habe, ist der Druck noch nicht groß genug, als dass ich mich wirklich aufs Arbeiten konzentrieren könnte. Deshalb möchte ich die Stille und die Zeit nutzen, um von der achten Kurseinheit zu erzählen, die bereits einige Zeit zurückliegt.

Habt eine schöne Woche mit wenig Regen!

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„Ist dir die Bibel aufgefallen?“, flüsterte Ricki, als ich mich neben sie setzte und seufzend die Beine ausstreckte. Ich hatte sehr schnell laufen müssen, um pünktlich zur Kurseinheit zu kommen. Wie immer hatte ich die Länge des  Wegs unter- und die Länge meiner Beine überschätzt. Auf dem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises thronte dort, wo sonst normalerweise unsere Arbeitsblätter lagen, eine dicke Bibel.

Benno stieß die Luft aus. „Bitte nicht schon wieder Gerd!“

War der Seelsorger wieder verhindert und musste von Gerd vertreten werden? Ich hielt Ausschau nach seinen grimmigen Augenbrauen, doch ich entdeckte sie nirgends. Auch die Bibel kam mir nicht bekannt vor. Die goldenen Lettern waren auf braunes Leder gedruckt. Gerds Bibel hatte viel abgegriffener und außerdem dunkler ausgesehen.

„Ich glaube nicht, dass das Gerds Bibel ist“, raunte ich ihm zu. „Die gehört wahrscheinlich unserem Seelsorger.“

Benno lächelte schwach. „Als hätten diese Kirchenmänner nur eine Bibel, um sie den Menschen unter die Nase zu halten.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 9 – Reden und reden lassen

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Hallo, ihr Lieben!

Das nächste Interview habe ich noch nicht transkribiert, das bekommt ihr aber demnächst zu lesen. Ich habe mit einem Bestatter gesprochen, der meiner Meinung nach eine sehr abgeklärte und trotzdem romantische Einstellung zum Tod hat. Das Gespräch hat mir unheimlich viel Inspiration eingebracht und neue Gedankengänge angestoßen.

Ansonsten ist das letzte Bachelor-Semester angebrochen und ich habe begonnen, an meiner Abschlussarbeit zu schreiben. Deshalb habe ich meine Nase ständig in staubigen Büchern. In wenigen Monaten ist das Semester schon wieder vorbei, dann ziehe ich zurück nach Berlin, um dort mein Masterstudium aufzunehmen. Sofern ich einen Platz bekomme, versteht sich. Hoffentlich geht das alles gut!

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Heute möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die durch eine Unterhaltung mit einer sehr erfahrenen Sterbebegleiterin aufgeworfen wurde: Darf man mit Sterbenden über den Tod sprechen?

Oftmals werden Sterbebegleiter eingesetzt, um die Menschen vor dem sozialen Tod zu bewahren, den ich schon einmal angesprochen habe. Liegen die Menschen im Sterben, bleiben häufig die Besuche aus. Dies kann mehrere, sehr individuelle Gründe haben. Manchmal ist es rein praktisch nicht möglich, einen sterbenden Angehörigen regelmäßig zu besuchen. Vielleicht wohnt man ein gutes Stück entfernt, arbeitet Vollzeit, ist im Uni- oder Schulstress. Der eigene kleine Kosmos dreht sich weiter und zieht unseren Blick vom Sterbenden und seinen Bedürfnissen ab. Das ist auch wichtig. Lies den Rest dieses Beitrags

Geschützt: Kurseinheit 3 – Kraft und Stärke

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Kurseinheit 2 – bis in meine Träume

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Neulich wachte ich mitten in der Nacht auf und brauchte einen Moment, um mich zurechtzufinden. Neben mir lag mein Freund und atmete ruhig und gleichmäßig vor sich hin, sein Gesicht war entspannt und friedlich. Oft hilft es mir beim Einschlafen, ihn eine Weile zu betrachten und die Sanftheit seiner Züge auf mich wirken zu lassen, doch dieses Mal war es anders. Er war der Bösewicht in meinem Traum gewesen.

Mein Traum-Ich saß in der Küche und las Zeitung. Mein Traum-Freund saß mir gegenüber und trank Tee.

„Jetzt wirst du bald deinen ersten Kunden treffen.“

Ich nickte. Er sprach von dem Sterbenden, der jeden Moment an unsere Tür klopfen sollte. „Ja, ich weiß.“

Langsam und angewidert schüttelte er den Kopf. „Das ist so selbstsüchtig von dir. Er wird bald sterben und du lässt ihn bis hierher laufen. Es ist kalt draußen.“

Verwirrt hob ich den Kopf und sah ihn an. „Meinst du? Hat er kein Taxi genommen?“

„Das wäre ja noch schöner“, zischte er. „Auch noch das Geld aus dem Fenster werfen, damit für seine Familie nichts mehr bleibt! Die werden hungern müssen, weil du nur dich gesehen  und nicht an Andere gedacht hast.“ Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 2 – Vorfreude und Regeln

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Es ist soweit! Die erste Kurseinheit wartet. Morgen werde ich euch berichten können, wie das erste Treffen der Hospizhelfergruppe war, welche Charaktere mich durch die Ausbildung begleiten werden und wie die Atmosphäre im Kurs ist. Ich bin schon sehr gespannt und aufgeregt.

Die hauptamtliche Koordinatorin hat mir bereits mitgeteilt, dass ich mit Abstand die jüngste Teilnehmerin des Kurses bin. Hoffentlich ist das für die anderen Teilnehmer kein Problem und kein Grund, mich weniger ernst zu nehmen.

Meinem Umfeld gehe ich bereits ein wenig auf den Keks, weil ich ständig die Thematik anreiße.

Meine Freundin Sissi und ich saßen vor ein paar Tagen in der Mensa und aßen veganen Brei. Es ist nicht so, dass ich viel Wert auf vegane Ernährung lege und unbedingt auf Milch, Eier oder Fleisch verzichten muss. Die veganen Gerichte sind in der Mensa schlicht am preiswertesten und relativ verlässlich, da sie immer gleich schmecken. Da gibt es kaum böse Überraschungen, es sei denn, man findet Haare im Essen.

„Jetzt geht es bald los!“, sagte ich fröhlich zwischen zwei Gabeln Brei.

Sissi runzelte die Stirn. „Was geht los?“

„Na, der Sterbebegleitungskurs!“

Müde hob sie die Augenbrauen und nickte. „Wie konnte ich das nur vergessen?“ Nach einer kurzen Pause fragte sie: „Warum machst du das nochmal?“

„Damit ich Menschen dabei helfen kann, in Würde zu sterben.“ Meine Antwort klang eine Spur zu hochtrabend für die Umgebung der Keller-Mensa. Ich suchte nach einer bodenständigeren Erwiderung. „Weil es interessant ist.“

Sissis Lippen kräuselten sich zu einem zögerlichen Lächeln. „Na, ich weiß nicht. Mit sterbenden Menschen könnte ich nicht. Die sind doch meistens total alt, oder? Und können sich kaum noch bewegen. Und sie riechen.“ Lies den Rest dieses Beitrags

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