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Monatsarchiv: April 2013

Momentaufnahme Nr. 9 – Reden und reden lassen

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Hallo, ihr Lieben!

Das nächste Interview habe ich noch nicht transkribiert, das bekommt ihr aber demnächst zu lesen. Ich habe mit einem Bestatter gesprochen, der meiner Meinung nach eine sehr abgeklärte und trotzdem romantische Einstellung zum Tod hat. Das Gespräch hat mir unheimlich viel Inspiration eingebracht und neue Gedankengänge angestoßen.

Ansonsten ist das letzte Bachelor-Semester angebrochen und ich habe begonnen, an meiner Abschlussarbeit zu schreiben. Deshalb habe ich meine Nase ständig in staubigen Büchern. In wenigen Monaten ist das Semester schon wieder vorbei, dann ziehe ich zurück nach Berlin, um dort mein Masterstudium aufzunehmen. Sofern ich einen Platz bekomme, versteht sich. Hoffentlich geht das alles gut!

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Heute möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die durch eine Unterhaltung mit einer sehr erfahrenen Sterbebegleiterin aufgeworfen wurde: Darf man mit Sterbenden über den Tod sprechen?

Oftmals werden Sterbebegleiter eingesetzt, um die Menschen vor dem sozialen Tod zu bewahren, den ich schon einmal angesprochen habe. Liegen die Menschen im Sterben, bleiben häufig die Besuche aus. Dies kann mehrere, sehr individuelle Gründe haben. Manchmal ist es rein praktisch nicht möglich, einen sterbenden Angehörigen regelmäßig zu besuchen. Vielleicht wohnt man ein gutes Stück entfernt, arbeitet Vollzeit, ist im Uni- oder Schulstress. Der eigene kleine Kosmos dreht sich weiter und zieht unseren Blick vom Sterbenden und seinen Bedürfnissen ab. Das ist auch wichtig. Lies den Rest dieses Beitrags

Kurseinheit 7 – Spuren

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Bereits die siebte Kurseinheit liegt nun hinter mir. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie rasch der Befähigungskurs voranschreitet. Beinahe die Hälfte des Kurses ist geschafft, in sieben Monaten werde ich das Zertifikat in den Händen halten, welches mir erlaubt, in Zukunft in nahezu jedem Hospizdienst Deutschlands als Sterbebegleiterin zu arbeiten. Und in zwei Monaten werde ich meine ersten Begleitungen übernehmen dürfen.

Wenn nichts dazwischen kommt natürlich.

Man sagt mir häufig, dass ich dazu neige, mich auf die schönen Endresultate zu konzentrieren, statt die Dinge geplant und realistisch anzugehen. Diese schlechte Angewohnheit zeigte sich schon während der Abiturvorbereitung, als ich lieber in Katalogen nach dem passenden Kleid für den Abschlussball suchte, statt für die Prüfungen zu lernen. Oder während meines Umzugs in den Westen Deutschlands, als ich es vorzog, mir mittels Wohnmagazinen die hübsche Einrichtung der neuen Wohnung auszumalen, statt mein Hab und Gut in Kartons zu verpacken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Setzt man sich mit dem Tod und dem eigenen Sterben auseinander, kommt man nicht umhin sich zu fragen, was von seinem Leben übrig bleibt, wenn es erlischt. Was ist es, was wir unseren Familien und Freunden hinterlassen? Was bleibt, wenn wir gehen? Erinnerungen? Fotos? Hörensagen? Oder stirbt das Andenken mit uns? Lies den Rest dieses Beitrags

Momentaufnahme Nr. 8 – Reanimation und Mutter Theresa

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Erstmal möchte ich euch auf eine schöne Aktion aufmerksam machen, die momentan auf http://alltagimrettungsdienst.wordpress.com läuft. Dort werden Geschichten gesammelt, in denen Laien Erste Hilfe geleistet haben. Das soll ermutigen, selbst aktiv zu werden, wenn es nötig sein sollte und die Distanz zu lebensrettenden Sofortmaßnahmen vermindern. Wenn ihr selbst schon einmal Erstversorger wart, schreibt eine Email an alltagimrettungsdienst (at) gmx.de und bereichert Pauls Seite mit euren Erlebnissen, er freut sich.

Und ich habe ein paar Anmerkungen in eigener Sache auf dem Herzen, die leider nicht durchgängig erfreulich sind.

Vor kurzem habe ich folgende Mail bekommen:

„Liebe Pinchen, ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass du eine heuchlerische Mutter Theresa bist. Du brüstest dich damit, dass du etwas tust, das eigentlich selbstverständlich sein müsste. Vielleicht solltest du einfach still und leise vor dich hinarbeiten (meinetwegen auch als Sterbebegleiterin) und aufhören, das den Leuten unter die Nase zu reiben. Wir haben langsam alle verstanden, wie toll du bist. Es reicht. Geh dahin zurück, wo du herkommst.“

Während ich diese Mail gelesen habe, wurde ich nachdenklich. Hat der Schreiber Recht mit seinem Vorwurf? Lies den Rest dieses Beitrags

Erzähl mir deine Geschichte – Bianca

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Das folgende Interview habe ich mit einer jungen und starken Frau geführt, die mir sehr am Herzen liegt. Ihre Kraft und ihr Mut beeindrucken mich immer wieder und ich hoffe, dass ich noch eine lange Zeit an ihrer Seite stehen und mit ihr dem Leben entgegenblicken kann.

Der Artikel beinhaltet Aussagen zu den Themen SVV und Suizid. Wer in dieser Hinsicht angreifbar ist, sollte ihn unter Umständen nicht lesen.

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Ich heiße Bianca und 21 Jahre alt. Wer ich bin, kann ich gar nicht so genau sagen, weil ich denke, dass das niemand in wenigen Worten zusammenfassen kann. Ich kann dir aber sagen, was offiziell festgestellt wurde, wer oder was ich in den Augen der Ärzte bin. Aber stell ruhig deine Fragen.

Warum ich generell eine Therapie angefangen habe? Begonnen hat alles im Dezember 2008, da fingen die ersten Symptome an, sich sehr deutlich zu zeigen. Es fing mit Schlafstörungen an. Ich entwickelte daraufhin eine wahnsinnige Angst vor der Nacht, weil ich wusste, dass diese Dunkelheit auf mich wartet, der ich irgendwie so ausgeliefert bin, der ich mich auch nicht entziehen kann. Dass ich mit mir alleine bin. Direkt benennen konnte ich nicht, was genau mir Angst machte oder am Schlafen hinderte, ich war wie auf dünnem Eis und bin regelmäßig eingebrochen, war aber unfähig zu sagen, aus welchem Grund das Eis brach oder woraus dieses Eis bestand. Was mir gefehlt hat, hat sich meiner Wahrnehmung entzogen. Das war für mich alles sehr neu und ich habe mich nicht getraut, mir selbst und diesen Erscheinungen diese Wichtigkeit zuzugestehen, um das alles zu verbalisieren. Ich wollte natürlich auch nicht, dass es sich dadurch intensiviert oder dass ich überempfindlich zu viel in Alltäglichkeiten hinein interpretiere.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine Gedanken immer dunkler wurden, dass ich mich selbst verlor und dass ich selbst nicht in der Lage war, mir aus der Sache heraus zu helfen. Das war schon eine bittere Erkenntnis. Dass ich mich selbst nicht gut genug kenne, obwohl ich das eigentlich sollte. Lies den Rest dieses Beitrags

Fragerunde Nr. 5

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Hallo, ihr Lieben!

Heute schreibe ich euch von einer wunderschönen Stadt aus, in der ich mit meinem Freund bis Freitag Urlaub mache: Venedig! Bisher haben wir uns noch nicht allzu viel von den Sehenswürdigkeiten anschauen können, wenn ihr also Tipps und Empfehlungen habt, was wir auf jeden Fall besuchen sollten, sind diese jederzeit gern gesehen.

Damit mein Blog trotzdem nicht eine Woche lang unberührt bleibt und weiterhin mit Lesestoff gefüllt wird, habe ich euch einige Fragen zusammengetragen, die sich bei mir im Postfach angesammelt haben.

Ich wünsche euch eine ruhige Woche und viele schöne Momente!

 

Liebes Pinchen, ich habe eine Frage, die mir schon seit einer Weile unter den Nägeln brennt. Meine Oma liegt im Hospiz momentan im Sterben und hat wohl nicht mehr lange zu leben. Ich bin erst 13 und weiß nicht, was ich genau tun soll. Wir fahren sie alle besuchen, um uns zu verabschieden. Meine Mutter sagt, dass immer jemand bei ihr bleiben soll, also bin ich auch zu so einer Art Schicht eingeteilt und muss alleine bei meiner Oma sitzen. Jetzt meine Frage: Wenn es meiner Oma plötzlich schlecht geht, soll ich dann den Rettungsdienst anrufen? Oder einen Arzt? Oder soll ich nichts machen und abwarten? Ich fühle mich damit überfordert und weiß nicht, was ich machen soll.

Noch einmal vielen Dank für deine offene Mail. Ich finde es toll, dass du in deinem Alter deiner Oma zur Seite stehen möchtest und dass du dir Gedanken darüber machst, wie du am besten reagierst. Du bist aber erst 13. Im Hospiz gibt es viele Ansprechpartner, Schwestern, Ärzte und ehrenamtliche Helfer, die sich darum bemühen werden, dass es deiner Oma möglichst gut geht. Vielleicht möchte deine Mutter dir nur das Gefühl geben, dass es wichtig ist, dass du bei deiner Oma sitzt und Zeit mit ihr verbringst und wollte gar nicht diesen Druck aufbauen, den du jetzt verspürst.

Du solltest auf jeden Fall ehrlich mit deiner Mutter sprechen und ihr sagen, wie es dir dabei geht. Bestimmt ist deine Mutter auch überfordert mit dem Tod ihrer eigenen Mutter, ihr geht es mit Sicherheit auch nicht gut damit. Aber stell dir mal vor, wie traurig deine Mutter wäre, wenn sie im Nachhinein erfährt, dass sie dir zu viel zugemutet hat und dass du diese Erfahrung vielleicht noch sehr lange mit dir herumtragen wirst. Vielleicht hat deine Mutter auch gerade keine Geduld, dir zuzuhören, weil sie zu sehr mit ihren eigenen Ängsten beschäftigt ist, dann schreib ihr einen kleinen Brief, in dem du ihr erklärst, was in dir vorgeht. Oder zeig ihr die Email, die du mir geschrieben hast und auch meine Antwort darauf. Du kannst auch im Hospiz jemanden direkt ansprechen, der dort arbeitet und Bescheid sagen, dass du nicht alleine sein möchtest.

Du musst keine Angst vor der Situation selbst haben, denn du wirst damit nicht alleine sein. Da du noch so jung bist, werden alle Mitarbeiter des Hospizes mit auf deine Oma aufpassen, sodass du dir keine Sorgen machen musst. Wenn du dich unwohl fühlst, darfst du das aber auch jederzeit sagen, ohne dass jemand böse auf dich ist.

Es ist oft schön für Menschen, die im Sterben liegen, wenn jemand aus der Familie da ist und ein bisschen aufpasst. Aber es gibt auch viele Menschen, die gerne ihre Ruhe haben, wenn sie gehen. Es kann also auch sein, dass ihr gar nicht ununterbrochen am Bett sitzen müsst, das kann man im Voraus oft nicht planen. Wenn deine Mutter sich sicherer bei dem Gedanken fühlt, dass alles organisiert ist (dadurch hat sie vielleicht eher das Gefühl, dass sie nicht ganz hilflos ist), dann ist das für sie eine gute Sache. Aber du musst sehen, dass du darunter nicht leidest. Trau dich, offen mit ihr zu sprechen und hab kein schlechtes Gewissen deswegen. Du bist keine schlechte Enkelin oder Tochter, wenn du ehrlich sagst, wann du dich überfordert fühlst. Ich finde es gut, dass du auf dich selbst Acht gibst und auf dein Bauchgefühl hörst. Du machst das alles völlig richtig und super.  Wenn du mir noch einmal schreiben willst, sind mir deine Mails jederzeit willkommen.

Ich wünsche dir für die nächste Zeit viel Kraft und alles Gute!

Mein enkel hilft mir dabei diese mail zu schreiben. ich bin selbst sehr krank und überlege einen hospizdienst einzuschalten. kann ich auch selbst als kranke dort anrufen oder müssen das die angehörigen machen?

Schön, dass Sie sich selbst kümmern möchten und auf der Suche nach einem Hospizdienst sind. Natürlich können Sie selbst dort anrufen und die ersten Kennenlerngespräche führen. Meistens sind es die Angehörigen, die Kontakt zu einem Dienst aufnehmen, weil der Betroffene selbst schon zu schwach ist, um sich eine Begleitung zu organisieren. Aber es kommt immer wieder vor, dass Betroffene den Erstkontakt übernehmen und beim Hospizdienst anfragen. Man wird sich also gern um Ihre Fragen und Anliegen kümmern und schnellstmöglich Hilfen organisieren, um Ihnen den Alltag zu erleichtern. Zögern Sie nicht, einen Dienst in Ihrer Nähe anzurufen und die Dinge in die Hand zu nehmen. Toll, dass Sie noch so fit sind und sich selbst kümmern möchten!

Haben Sie eine schöne Zeit im Kreis Ihrer Familie!

Ich hab selbst jetzt mal ein Projekt Danke gemacht. Wenn ich dir davon berichte, veröffentlichst du das dann, damit es andere auch lesen können? Und wann kommt dein eigenes nächstes Projekt? Was ist außerdem noch so geplant bei dir? Ich erkenne kein Muster in der Reihenfolge deiner Artikel.

Wie schön! Ich freue mich immer, wenn jemand das „Projekt Danke“ als Anlass nimmt, selbst ein kleines Dankeschön zu formulieren. Wenn du mir davon berichtest, werde ich deine Erfahrungen gerne veröffentlichen und in meine Artikel einbinden. Je nachdem, ob du namentlich genannt werden möchtest oder anonym schreiben willst, gehe ich auf deine Wünsche gerne ein. Ich werde es aber meinem eigenen Schreibstil anpassen, damit der Lesefluss nicht gestört wird. Wenn das für dich in Ordnung ist, schick mir deine Erlebnisse gerne per Mail.

Mein eigenes nächstes „Projekt Danke“ habe ich tatsächlich schon seit zwei Wochen hinter mir, aber ich bin bisher nicht dazu gekommen, es aufzuschreiben. In den nächsten Tagen nach meinem Urlaub werde ich aber in Ruhe niederschreiben, was dabei so passiert ist.

Was als nächstes kommt? Hm, da bin ich überfragt. Ich erkenne selbst kein Muster in meinen Artikeln, ich schreibe immer über das, worauf ich gerade Lust habe und was sich angesammelt hat. Ich kann dir aber verraten, dass ich ein interessantes Interview mit einer sehr starken jungen Frau geführt habe, was ich demnächst unter „Erzähl mir deine Geschichte“ veröffentliche und dass ich die siebte Kurseinheit ebenfalls hinter mich gebracht habe und über sie berichten werde.

 

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Schreibt mir eine Mail an pin.chen@live.com.

 

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